, dünkt mich schade.« (Hier
erhob der Lord seine Stimme ein wenig, und sein Gesicht mit den
niedergeschlagenen Augen erhielt den Ausdruck verbissenen Hochmuts.) »Es dünkt
mich schade, die seltene Blume in einen von aller Welt zerstampften Rasen setzen
zu lassen.«
    Der Präsident hatte aufmerksam zugehört. »Gewiss, das alles ist mir bekannt«,
antwortete er. »Eine seltene Blume, gewiss. War doch sein erstes Auftreten
derart, dass man einen durch ein Wunder auf die Erde verlorenen Bürger eines
andern Planeten zu sehen vermeinte, oder jenen Menschen des Plato, der, im
Unterirdischen aufgewachsen, erst im Alter der Reife auf die Oberwelt und zum
Licht des Himmels gestiegen ist.«
    Stanhope nickte. »Meine Hinneigung zu ihm, die dem allgemeinen Urteil
übertrieben erschienen ist, entstand mit dem ersten Hörensagen über seine
Person; sie findet auch in der Geschichte meines Geschlechts etwas wie eine
atavistische Rechtfertigung«, fuhr er in kühlem Plauderton fort. »Einer meiner
Ahnen wurde unter Cromwell geächtet und floh in ein Grabgewölbe. Die eigne
Tochter hielt ihn verborgen und nährte ihn, bis die Flucht gelang, kümmerlich
mit erstohlenen Brocken. Seitdem weht vielleicht ein wenig Grabesluft um die
Nachgeborenen. Ich bin der Letzte meines Stammes, ich bin kinderlos. Nur noch
ein Traum oder, wenn Sie wollen, eine fixe Idee bindet mich ans Leben.«
    Feuerbach warf den Kopf zurück. Die Linie seines Mundes zuckte in die Länge
wie ein Bogen, dessen Sehne zerrissen ist. Plötzlich lag Größe in seiner
Gebärde. »Eine innere Verantwortung hindert mich, Ihnen zu willfahren, Herr
Graf«, sagte er. »Hier steht so Ungeheures auf dem Spiel, dass jeder Gnadenbeweis
und jedes Liebesopfer daneben gar nicht mehr in Frage kommt. Hier ist den in
Abgründen kauernden Dämonen des Verbrechens ein Recht zu entreißen und dem
bangen Auge der Mitwelt, wenn nicht als Trophäe, so doch als Beweis dafür
entgegenzuhalten, dass es auch dort eine Vergeltung gibt, wo Untaten mit dem
Purpurmantel bedeckt werden.«
    Der Lord nickte wieder, doch ganz mechanisch. Denn innerlich erstarrte er.
Es wurde ihm schwül vor der elementaren Gewalt, die aus der Brust dieses Mannes
zu ihm redete, und die selbst das Patos verzehrte, das ihm anfangs unbehaglich
war und ihn ironisch gestimmt hatte. Er fühlte, dass gegen diesen Willen zu
kämpfen, der sich wie ein ein Unwetter verkündigte, ein aussichtsloses Mühen
sein würde, und wenn es ein Beschluss über ihm war, durch den er in das Labyrinth
lichtscheuer Verrichtungen mehr geglitten als geschritten war, so fand er sich
jetzt ratlos und ohnmächtig darin, und es wurde ihm auf einmal wichtig, einen
Anschein von Ehre und Tugend aus dem Chaos seines Innern
