 letzte, verzehrte Reste hinausglühten. Er war
in ewiger Unruhe, war gleichgültig gegen alles und hatte, wenn er seinen
Lebensgroll im Trunke begraben, in der Ecke der Konditorei den Morgen erreicht
hatte und das Sichvergessen, wider Willen eine Miene, die scharf lächelte.
    Einhart begann wirklich einen ganz eigenen Harm zu empfinden. Das törichte
Geschwätz allenthalben begann er zu hassen. Er wollte große Gefühle, neue Wege,
mutige Darstellung. Er hohnlachte nur noch, wenn die Kameraden sich stritten, ob
Meister Theodor oder Meister Zeichner größer wäre. »Ein tausendstel Millimeter,«
sagte er, »man kann es nur mit einem ganz feinen Instrumente messen und kann
auch dann nicht sagen, welchen der beiden dieses Flöhchen noch beißt.« So
ungefähr.
    »Größe kann man nur unter Leuten bemerken,« schrie er dann herrisch mitten
hinein, »die ihre Köpfe aufragen lassen - aus dem Erdenstaub und der eklen Masse
in die freien Himmel, meine Herren Kameraden, wozu wir alle berufen, aber nur
sehr wenige von uns auserwählt sind.«
    »Die Größe! Ihr versteht doch! Das ist eine Fähigkeit, sich zu erheben, dass
ein jeder, der daneben steht, den andern wirklich oben sieht.«
    Viele ärgerten sich. Manche fanden es großartig.
    In solcher Laune warf Einhart auch alles weg und sprach selbst von seinem
Vater mit Hohn. »Mich wollten sie auf eine Ehrenstelle bringen,« sagte er dann.
»Lieber in Lumpen gehen, ehe ich meine Feuer verlöschen lasse auf meinem
Herzflecke! versteht ihr! Solcher Herzbrand frisst Kleider und Ehren,« lachte er
dann.
    »Mein Alter,« konnte er ganz despektierlich sagen, »hat an seinem Herzfleck
nur kalte Asche. Und wenn man es nicht bestimmt wüsste, dass er einmal im Leben
einen Traum gehabt, früher, dann könnte man denken, es wäre ein steinerner
Gast.«
    So ungefähr ging es dann aus ihm, dass alle Kameraden für oder widerredeten
durcheinander - aber ein jeder auch einen Hauch davon gewann, dass Einhart suchte
und sehnte, dass er das Bestehende und das billig Erworbene und nur Gekonnte
einfach verachtete. In dem Kleinsten ging dann heimlich ein drängender Brand aus
den Funken aus Einhart. Und heimlich hatten die Lehrer so eine ganze Herde
Zwerge um sich. In der Seele eines jeden, auch des willfährigsten Schülers saß
heimlich ein solcher kleiner Dämon von Einharts Gnaden, der sich nach dem
verheissenen, wahren Eigentum zu sehnen angefangen, und der nur widerwillig noch
dem mühsamen Erwerbe des wirklichen Könnens sich hingab.
 
                                       7
Übrigens war Einhart jetzt merkwürdig abgeschieden von aller Natur und von allem
Leben. Es war wie eine Revolution nur aus ihm. Es war, als wenn in dieser Zeit
die heiße
