 schaute.
    »Nun also,« dachte Einhart so hin. »Wohin denn mit alle denen, die sich
narren lassen, hinzueilen, und sich mühen?« dachte er dann.
    Es war jetzt Weihnachtsmarkt in der Stadt. »Alles ist ein Jahrmarkt. Wer
viel in der Tasche hat, kann viel kaufen. Und wer viel in der Seele hat, kann
viel hinausgeben.«
    »Ich werde einfach auch nur ein Jahrmarktsschreier. Ich muss meine Illusionen
auf Leinwand bringen, wie der Bänkelsänger seine Geschichten.«
    »Es ist alles nur Jahrmarktsvolk, Jämmerlinge, die amüsiert sein wollen, zu
Haufen, und dazu einige Bajazzi! Nun also: ich bin Bajazzo!«
    Grottfuss war außer sich über solche Reden. Der nahm sich sehr ernst und
wichtig. Wenn er, und andere auch, kamen - denn um Einhart war jetzt immer ein
kleines Gedränge, dann hörten sie seine Auslassungen mit Lachen oder Entrüstung.
    »Ach, was braucht es zur heutigen Kunst noch eines Menschen von Fleisch und
Blut, mit Sehnsuchten noch Erlösung und Überraschung? Das alles weiß man, das
kennt man!« rief Einhart dann verächtlich, »diese ganze akademische Kunst!
Original, das heißt, aus dem Ursprünglichen, Drängenden, Schauenden neugeboren.
Alles andere ist Handlangerei.« »Diese modernen Künstler sind Modeherren, die
aus allen Weltgegenden den Wind fangen möchten,« rief er dann.
    »Natürlich können sie malen. Man weiß es seit Alters, wie man Eisen weich
macht, oder Farben reibt. Ich werfe den Krempel hin. Ich finde es, was mir
selber wirklich heiß macht, ein neues Lied, eine neue Weise, eine neue
Offenbarung - aus meiner eigenen Tragikomödie! Ich finde es selber, was mich
hält, und was sich lohnt, dass ich es tue. Oder ich werfe es hin - alles! das
Leben vielleicht!«
    »Professor Soukoup, der einzige, der einen hohen Begriff hat von Kunst,«
sagte er viele Male, »weiß es nicht zu tun. Und die es tun, haben keinen
Begriff, als nur die ungeoffenbarte Offenbarung des ewig Offenbaren,« höhnte er.
    Er begann sich jetzt alles hochmütig zu verleiden, versuchte zu Hause
Malereien mit allerhand sonderbaren Mischungen, die den Bildern neue
Helligkeiten und Kontraste geben sollten, und vor allem, er malte sich, nur
immer sich, in tausenderlei Grimassen und den drolligsten Auffassungen. Als
Mörder mit dem Dolch. Als Grandseigneur im schwarzen Würdenkleide. Als
Verächter. Als Gehässigen mit einem Klumpfuss. Als allerhand. Auch einmal als
einen Teufel mit Glühaugen, aus dessen Herzstelle ein Feuerherd heimlich
hindurchsah, aus dem allerlei Gestalten, wie Zunder verbrannt, emporloderten und
durch die Augen gewissermaßen wie
