 mit einem
Leben auf der Leinwand!« »Aber Schicksale - Mächte!« - - schrie er dann, »die
ewigen Mächte in uns und in unserem Menschengeschäft!« - - »Ihr Schuster und
Schneider!« stammelte er erregt unter die Kameraden. »Ein Genie blickt nicht aus
euren Augen heraus, ihr Handwerker und Sklaven, die ihr nur an der Erde
hinkriecht wie Kröten, anstatt euch hochzuheben und eure Schönheit zu gebieten!«
- - »Solche Schöpse!« lächelte er dann vor sich hin, wenn er in die Sofaecke
zurückgefallen und hastig ein Glas nach dem andern hinuntergetrunken. »Statt
Genies Schöpse!« schrie er neu. Dass es ein furchtbares Gezänk gab am Ende und
ein niedriges Durcheinander. Dass der Kellner kam und um Ruhe bat. Und dass
Einhart wie eine Katze plötzlich dem Kellner an den Hals sprang und ihn würgte.
»So ein Hausknecht will Heilbringer belehren!« schrie Einhart dann rasend. »Wir
bringen euch das Heil, ihr armes Erdengesindel! Wir werden uns nicht
einschüchtern lassen, weder von Meister Theodors zahmen Idyllen, noch von einem
Schwalbenschwanze von Kellnertroddel!« »Genies sind hier!« brüllte er durch den
Raum, dass man es bis auf die Straße hörte, und das Gestöhn des gewürgten
Kellners einen Augenblick danach unheimlich im Raume schwoll. Dass andere
zuspringen mussten, und dass schließlich die betrunkenen Jünger aus St. Lukas'
Gilde alle unerwartet von der Faust des Wirtes und Hausdieners und einiger Gäste
gepackt auf der nächtlich stillen Straße lagen oder saßen.
 
                                       5
Es war erstaunlich, wie schnell Einhart jetzt, wo er in Freiheit vor innere
Bestimmungen gestellt war, das Jungenhafte und stark Unreife, was er daheim
immer besessen, abstreifte und zu großer Selbständigkeit und Sonderlichkeit
gleich erwuchs. Ganz und gar mit völliger Beibehaltung seiner unglaublichen
Vielgestaltigkeit noch immer, und der seltsam verträumten, finsteren Einfalt
seiner Art nach außen.
    Denn auch nach den tollen Auftritten in den nächtlichen Gelagen, nach harten
Zänken mit Grottfuss, dem einzigen Malschüler, dem Einhart außer sich Genie
zutraute, und der dem Meister Theodor und dem Meister Zeichner und noch manchem
mit derselben Nichtachtung und stummem Lächeln begegnete wie er, kam Einhart
immer nur wieder demütig und narrenhaft dürftig unter die Kameraden und ins
Meisteratelier zurück. Geradezu einfältig konnte er noch wieder scheinen, wie
vor Mutter und Rosa einst, und so recht wie der Fuchs, den der Bär auf dem
Rücken trägt. Deshalb konnten auch die Professoren bei solchem Eindruck gütigen
Lächelns seines schwarzblitzenden Funkenauges noch immer nicht begreifen, wie
gerade dieser junge, bleichgraue, hagere Mensch eine ewige Revolution unter den
Schülern konnte lebendig halten?
    Aber man empfand schließlich allenthalben große Unzufriedenheit. Es war
nicht bloß allmählich an den Tag gekommen
