 anlächeln.
 
                                       15
Einhart schaute die Seele der Dinge. Und er kannte keine Gebote und keine
Verschuldungen. Er sagte es immer wieder, dass die Seele der Dinge alles
Geheimnis einschlösse, unbegrenzt und frei. Und dass nichts weit und grenzenlos
bliebe, auch im Menschen, wenn nicht seine Seele.
    »Das ist ein großer Geist,« konnte er von dem oder jenem sagen, der sich in
der Kunst ausgesprochen, »und eine kleine Seele.«
    »Der Geist ist immer Sklave,« sagte er. »Die Seele ist das Ungebundene in
uns und überall.«
    Er sagte auch: »Dein Geist und deine Entschlüsse und dein Wille und was weiß
ich? flattern wie Möven ängstlich, und halb eigen, halb von irdischen Winden
getrieben, über das große, freie, unbegrenzte, wogende Meer Seele.«
    Und er lächelte auch immer und sagte: »Wo wir Schauenden und Schaffenden es
schöpfen sollen? Dort, wo die großen Ahnungen anwogen und unsere Ufer bedrängen.
Und wer könnte wohl sagen, welche treibende Woge?«
    »Seele« schaute er. »Die Welt ist Seele,« sagte Einhart. Er philosophierte
aus seiner Herzschau.
    »Die Welt ist Seele. Nicht, wie die Alten gesagt: die Welt ist Vernunft.«
    »Gar nicht Vernunft ist sie,« sagte Einhart. »Nun gar das, was wir mit dem
Gran Rechensinn, dem Verstande, können und erkennen. Diese Triebe sind die
schlimmsten Flüchtigen, die begrenzter noch wie Möven und kleine Seeschwalben
flattern, nur hinschiessen auf den Bissen und dann verjagt sind, morgen schon
andere.«
    »Nichts dergleichen!« sagte er, »nur Seele! das weite, tiefe, wogende Meer.
Die große, grenzenlose Flut. Auch in uns ist Seele allein die Kraft und allein
die Erneuerung. Wenn wir von unseren Erstarrungen uns wieder jung waschen
wollen, wohin sollen wir tauchen? In unsere Seele.«
    Einhart erschaute sich immer mehr das mächtige, reiche Unbekannte in sich
und der Welt, aus dem alle Frühlinge wie eine flüchtige Phantasmagorie
auftauchen, und alle Schönheit in Leib und Auge, und alle Liebe ins Blut.
    Und Einhart schaute Seele und war Seele.
    Das konnte man in der Zeit erleben, wo Johanna in dem Winter daheim sich
ganz und gar nicht erholen konnte. Auch Poncet hätte es jetzt voll begriffen,
wenn er es nicht schon gewusst hätte. Poncets Organ war gemeinhin immer das
Wissen, womit er sich viele Menschen und Dinge scheinbar nahe brachte, und das
Einhart tatsächlich nicht kannte. Aber Poncet liebte jetzt die Weise, wie
Einhart mit der Seele der Dinge und der Menschen umging. Poncet hatte längst
auch angefangen, sich zu sehnen, ins
