 zurückwich in die silbernen
Morgennebel, und er in dem rattelnden, schwarzverblichenen Omnibuskasten mit den
plumpen Ackergäulen davor die schnurgerade Chaussee hintetterte. Unterdessen
zwei runde Bauerweiber, die volle Packen auf Boden und Sitze des Wagens
ausgebreitet, den Lärm der klirrenden Fenster und des Räderrollens zu
überschreien suchten mit ihren scharfen, aufgebrachten Worten über
Wetterschaden, über Henny Ottens Tod, und Aussichten der Obsternte und derart
tausenderlei Sachen.
 
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Jahre gehen hin und kommen nicht wieder. Einhart war reich genug, sie nicht
zurückzubegehren. Auch die, die jetzt kamen und nicht sichtbare Merkzeichen
einrjetzten, die scheinbar ungehört verhallten. Es waren Jahre innerlicher
Raffung zu sich selber. Denn der Mensch ist lange ein Kind, und dann ein
Schüler, und auch wenn ihn die Menschen entlassen aus ihrer Meisterschaft, liegt
er noch immer mit der Welt im Streite, ehe sie ihn gewähren lässt, aus sich zu
sehen, zu sammeln, zu sichten, zu reden und zu malen.
    Und es kommt in jedes Menschen Leben eine Zeit, wo er mit leidenschaftlicher
Sehnsucht nach Stimmen und Gestalten greift, die aus selbsteigener Gnade
hineingerufen und hineingebildet in die Zeit. Einmal mit denen Zwiesprach zu
halten, die in ihrer Zeiten Drange nach dem persönlichen Gute rangen, und nach
der Kraft die eigenen Laute und Gesichte in die Lüfte über der Menge Häupter
hinzuschreiben zu dauernder Verlockung.
    Einhart versank in ernste Studien. Er las jetzt mit wirklicher Begier
Philosophie. Da war er nur gerade schlecht beraten zuerst. Er griff da einen
langen Zopf, der dem Chinesen im Westen hinten hängt. Man nennt es Geschichte
der Philosophie. Ein uraltes Bild, was man so die Philosophie der Alten nennt.
Tausend Stümper haben es übermalt. Es versuchte so mancher zu bessern und zu
streichen, was originale Menschen aus innerstem, eigenem Lebens- und
Schauensbedrängnis zur Klarheit gestaltet.
    Es ist ziemlich unkenntlich, alles daran. Und von dem Ursprung nicht mehr
viel Spur.
    Das merkte Einhart.
    Er kam mit wahrem Verlangen. Er hatte gar nichts gelernt. Oder besser, er
kam mit dem natürlichen Drange, eine Welt, die sich ihm reich und heiß darbot,
zu ergreifen mit Sinn und Seele allenthalben.
    »Das nennt ihr also Philosophie?« sagte er zuerst ganz erstaunt, als er die
Berge des gelehrten Wissens ansah.
    »Gibt es nicht Männer, in denen sich wirklich die Welt in ihren wahren
Mächten spiegelte? Gibt es nur solche zerstückelte Weisheit? Hirngespinste von
tausend Begriffen, in denen sich nicht einmal Fliegen fangen? Gibt es nicht
Männer, die die Welt klar anschauen, also dass man in sie einsehen kann wie in
einen kristallenen Wassergrund, auf enger Scheibe das ganze, weite Eine?
    So suchte er immer wieder nach Menschen.
    Und
