 für sich genug erfüllt war, auf
seine Weise die Welt der Beglückung aus Wolken und Lüften, Wasser und Weiden zu
greifen.
    Aber man traute sich auch nicht. Zumal wenn Einhart seine undeutbare
Doppelteit mit sich trug, achtlos spitz und abwehrend im Gespräche seine Blicke
funkeln ließ, die dunklen Schalksaugen drollig-einfältige Begleitung zu
sonderlichen Worten und Weisheiten spielten, wenn er sich gar manchmal in den
Mantel tiefsinniger Verrückteit hüllte, wie ein indischer Heiliger ewig
lächelnd dasaß, aus einem Punkte der Weltbetrachtung süßen Wahnes Netze
spinnend.
    Da waren die um ihn unschlüssig, wie ihn erkennen. Keiner, der eines solchen
Einsamen, eines solchen Schalkes und Gauklers Herz recht gefunden glaubte, weil
auch die Flamme der unsteten Sucht nach tiefem Leben ewig dabei zuckte und die
Flamme der harten Verachtung alles kleinen Getriebes nach Ehren. Da waren die um
ihn doch noch immer im Vergleich angebunden an tausend engere Wünsche und
Weisen, bauten ihr Haus und priesen Heimat und Scholle, verherrlichten den
Frieden der Ackerdienste und Feierstunden, und ließ die weite Welt sich im
kleinen Moorgraben spiegeln mit den moosigen Baumästen zusammen, und mit dem
ziegenhütenden Weidekind.
    Einhart hatte auch diese Welt gesehen, die alle sahen um ihn, »auch der
Wurm,« wie er sagte. Aber er träumte von keiner Heimat. - Er träumte nur von dem
Wundersee seiner eigenen Ausschau, darin diese ganze Welt sich in Menschlichkeit
spiegelt.
    Kein Mensch kann je seine Träume leibhaftig träumen, wie die Welt, die wir
wachend um uns Welt nennen. Kein Mensch, außer in flüchtigen Augenblicken, wo
der Spiegel der eigenen Seele rein liegt wie im Tode, dass die zarten
Luftgespinste Traum ihn kristallrein durchhauchen und uns ein volles Wähnen
geben von den verborgenen Gestalten unserer fernsten Sehnsucht. Nur einen
Augenblick. Wenn die wahre Welt der Dinge uns weckt, zerrinnen die Träume, und
nicht einmal ein Erinnern kann noch den Saum ihres Gewandes fassen. Das mag wohl
eine tiefe Weisheit bedeuten in unserm Leben. Denn wenn je ein Mensch in sich
den Himmel seiner fernsten Sehnsuchten wirklich dauernd wölben könnte vor seinen
Augen, so würde ihm das Bild der wachen Welt verblassen. Da würde er eine Seele
sein, deren irdisches Auge erblindete, um nie mehr aus ihrem Traumlande
zurückzuschauen. Der Leib dieses Menschen müsste hinsiechen. Denn selbst die
köstlichsten irdischen Speisen würden nichts sein, als Ekel gegen die süßen,
duftigen Früchte, die er im Garten seiner Sehnsuchten brechen könnte. Solche
Wahnsinne gibt es. Es gibt manchen Irren, dessen unheimlich entlegener Weg jenes
Wunder erreichte. Dessen Auge im irren, entirdischten Lächeln voll Wehmut seine
grauen Pfleger zur eigenen Beglückung bemeistern möchte. Manchen Irren, der
selig für sich wandelt, und der nicht irdischen Trank noch Speise mehr nehmen
mag
