, Wanninger! Bravo! Aussi schmeissen soll ma'n! Ruhe!)
    Wanninger ergriff wieder das Wort.
    »Nach meiner Ansicht ist der allzu enge Anschluss an Preußen die Schuld am
Niedergange des süddeutschen Mittelstandes.
    Das Zentrum legt bereitwillig Millionen auf den Altar des preußischen
Kriegsgottes. Es fehlt nur noch, dass Eisenbahn und Post eingesackt werden, dann
sind wir vollkommen preussisch.
    In den oberen Kreisen lässt man sich zu sehr von dem norddeutschen Leuchtturm
blenden, da ist es also die Aufgabe des Bauernbundes, dafür zu sorgen, dass
unsere weiß-blauen Pfähle keinen Farbenwechsel erleiden.
    Einigkeit macht stark, heißt das Sprichwort, welches sich noch immer bewährt
hat. Die Erfahrung lehrt uns mit nur zu beredter Sprache, dass Bauern und
Gewerbetreibende innig zusammenhalten müssen, um dem drohenden Abgrundrande zu
entgehen.
    Wo sind heute noch die Bauern, welche den Lohn ihrer Arbeit genießen können?
Sie sind nicht mehr da!
    Dafür sieht man heute die Männer dieser Stände in Existenzkämpfen ihre Tage
in dumpfer Resignation dahin leben. Leider haben die Bauern bis jetzt in blinder
Vertrauensduselei die Vertretung ihrer Lebensinteressen anderen Ständen
überlassen, welche nur für das Blühen und Gedeihen der Millionärzucht und ihr
eigenes Ich sorgten, für den Mittelstand, der alle Lasten zu tragen hat, aber
nur leeres Stroh droschen.
    Und doch haben wir, gelinde gesprochen, die gleichen Rechte.«
    »Das ist nicht mehr zum Aushalten!« schrie Kroiss.
    »Na gehst aussi!«
    »Ruhe!«
    »In Preußen hat man nur Sinn für Grossmannssucht, daher auch dort
Grossgrundbesitz, Grossindustrie und Grosskapital das Ruder führen und ihren
unheilvollen Einfluss auf die Gesamtreichsgesetzgebung ausüben.
    Betrachten wir nur den Militarismus mit seinen Auswüchsen! Was muss Land und
Volk leisten, um das Pensionswesen zu bestreiten!
    Und was reicht man dem Nährstand für alle seine Opfer? Gesetze nach dem
Willen der oberen Zehntausend, Polizeistock, aber brav Hurra schreien, im
übrigen 's Maul halten!
    Dagegen hilft nur eines. Das feste Zusammenhalten des bayerischen Volkes;
vom Zentrum aber müssen wir uns losreißen, weil es die Einsackung Bayerns nicht
verhindern will.
    In diesem Sinne müssen wir im Bezirke Nussbach eine Markgenossenschaft des
Bauernbundes gründen.«
    Wanninger stieg von der Tribüne herunter und ging auf seinen Platz zurück.
    Das Wochenblatt berichtete, dass der Beifall ein äußerst warmer gewesen sei,
und dass man allen Anwesenden angesehen habe, wie ihnen der Redner aus der Seele
gesprochen hatte.
    Auch Wanninger selbst war zufrieden mit dem Erfolge, und er sagte späterhin
zu seinen Freunden, dass man den Bauern großes Unrecht tue, wenn man ihnen
politisches Verständnis abspreche. Es komme alles darauf an, dass man in
populärer Manier mit ihnen rede.
    Nach ihm wurde dem päpstlichen Hausprälaten, Herrn Dekan
