 und
dann war es stille.
    Prantl räusperte sich und nahm ein Blatt Papier zur Hand. Er war kein
geübter Redner, überdies ließ sich auch seine schön geformten Sätze nicht gut
auswendig lernen.
    Und so las er sie ab:
    »Liebe Standesgenossen, Bauern und Bürger in Stadt und Land! Allgemein
herrscht das Bemühen, durch Vereinigung der gesammelten Kräfte aus dem
Mittelstande der Allgemeinheit zu zeigen, dass sich der Zeiten Lauf geändert hat
und nicht mehr mit Schweigen geduldet wird.
    Deshalb haben sich einige Männer aus dem Gewerbestande entschlossen, diese
Versammlung einzuberufen, auf dass wir nach des Übels Quelle forschen können,
welches den allgemeinen Wohlstand bedroht und gerade diejenigen Kreise in seinen
Bereich zieht, welche bisher als die Säulen des Trones in Betracht kamen. Dass
Bauern und Gewerbe auf das regste zusammengehören, wird gewiss einer mit
Menschenverstand nicht leugnen wollen. Geht es dem Bauern nicht gut, so wird
dies auch bald der Städter empfinden. Es ist daher gleich, ob man vom
Bauernstand oder vom Gewerbestand spricht; beide stellen, verbunden miteinander,
den Nährstand des Landes vor. Deshalb haben besorgte Männer den Entschluss
gefasst, gemeinsam zu operieren und zu diesem Zwecke alle einzuladen, welche sich
für das Interesse des Mittelstandes tätig erweisen wollen. Ich eröffne hiermit
die Versammlung und fordere Sie auf, einen Vorsitzenden zu wählen.«
    »Mir nehman an Schuasta,« schrie der Hirner, und andere schrien mit:
»Jawohl! Da Prantl! An Schuasta!« Da trat der Einberufer Wimmer vor und sagte,
es scheine ihm, dass eine große Mehrheit den Herrn Prantl zum Vorsitzenden haben
wolle. Wer dagegen sei, möge sich von seinem Platze erheben. Niemand stand auf,
und der Amtsrichter Kroiss rief laut: »Das ist der passende Präsident für diese
Versammlung!«
    Jakobos Prantl erklärte, dass er die ehrende Wahl annehme, und dass er jetzt
das Wort dem verdienten Manne und Bauernführer Peter Vachenauer erteile, welcher
aus dem fernen Gebirge herbeigeeilt sei, um durch sein Wort der allgemeinen
Sache zu nützen. Lauter Beifall erhob sich; und der alte Rädlmayer warf in der
Freude seines Herzens den Hut in die Höhe. Der Peter Vachenauer trat ein paar
Schritte vor und wartete, bis sich der Lärm gelegt hatte. Fast alle Bergbauern
verstehen es, vor der Öffentlichkeit ohne Scheu aufzutreten. Sie haben
Lebhaftigkeit in der Bewegung und eine leichte Art zu reden. Rasche Auffassung
und große Schlagfertigkeit ermöglichen ihnen, mit geringen Kenntnissen Wirkungen
zu erzielen.
    Die größten naturgemäß vor schwerfälligen Ackerbauern, die nichts seltener
besitzen, aber auch nichts höher schätzen als Rednergabe. Und die sie an
niemandem mehr bewundern als an ihresgleichen. Darum konnte der Peter Vachenauer
schon im voraus seines Erfolges sicher sein. Und er war es. Es
