 über ihm geschlossen ... ... wehe ... wehe! ... Der Baron,
halb tot schon von der eigenen Anstrengung, schaut händeringend auf die Wasser,
die sich über dem anderen geschlossen ... Leute! herbei mit Booten, mit Stangen,
mit Stricken ... es gilt, einen König, den herrlichsten der Menschen zu retten,
mir nach ... ich muss ihn wiederfinden. Mit diesen Worten stürzt er aufs neue in
die Wassermenge, und - auch ihn sieht man nicht wieder. Nach drei Tagen, als die
Wasser gesunken waren, fand man die Leichen des Prinzen, des Barons, der Mutter
und des Kindes. Die Sprache hat keine Worte, um den Schmerz der königlichen
Familie und des ganzen Landes zu beschreiben, das in diesem jungen Fürstensohn
die Hoffnung auf eine ideale Zukunft untergehen sieht, denn in ihm vereinigte
sich alles, was den Menschen befähigt, wie ein leuchtendes Vorbild jeder Tugend,
würdig zu sein, eine Krone zu tragen.«
Das Blatt entfiel Rosas Hand; sie saß eine Weile regungslos, tränenlos; ihr Herz
schien stillzustehen und die Welt schien ihr zu versinken in das Chaos, in die
planlose Urnacht, wo alles Empfinden, alles geistige Werden im Schoss des
elementaren Lebens verschwunden ist. Erst nach und nach erwachte das Bewusstsein,
und das Ungeheure, Tragische, ergriff sie mit unerschütterlicher Gewalt: Das
Tragische, das ja eben darin besteht, dass das Elementare, sei es im Menschen
oder in den äußeren Umständen, sich auflehnt gegen das Ideale, Geisterzeugte und
ihm im titanischen Kampf den Untergang bereitet. Wie aber aus der Tragik selbst
der Trost hervorwächst, der uns mit dem Schmerz versöhnt, indem das dem
Vergänglichen noch Untergebene, befreit von den Fesseln der Endlichkeit,
aufsteigt in eine höhere Region, wo es nun als leuchtendes Gestirn in
unsterblicher Schöne glänzt und uns in Liebe nachzieht - so erhob sich für Rosa
aus den dunkeln Wogen des Schmerzes die verklärte Gestalt des Freundes, der sein
Leben mit einer idealen Tat besiegelt hatte. Eine immer höher steigende Ekstase
erfüllte sie fast mit Wonne. Mit Erstaunen sahen die Geschwister sie an, als sie
sich am Abend zusammenfanden; sie schien ihnen wie verklärt, von neuem Leben
durchdrungen, so dass Vittoria ganz fröhlich sagte: »Oh, meine teure Rosa, Sie
sehen heute so gut aus; ich bin überzeugt, der Frühling bringt Ihnen die volle
Gesundheit wieder.«
    Rosa antwortete nur mit einem sanften Lächeln. Kein Wort von dem, was sie
erfahren, kam über ihre Lippen; es wäre ihr unmöglich gewesen, hätte ihr wie
Entweihung geschienen, davon zu sprechen. Sie war nur noch liebevoller als
gewöhnlich mit den treuen Menschen und lohnte
