 achte Sie hoch und an
Ihrer Meinung ist mir gelegen. Ich müsste lügen, wenn ich leugnen wollte, dass ich
in Ihren letzten Improvisationen eine Anspielung auf mich fühlte, freilich nur
mir verständlich, aber mir auch deutlich genug. Diesen Abend waren Sie sogar
drohend, Sie weissagten Reue und sahen mich dem Arm der Rachegöttinnen
verfallen. Wie kommen Sie zu diesen Befürchtungen? Was meinen Sie damit? Ich
verlange Offenheit, wenn ich mich nicht gekränkt fühlen soll.«
    Statt der Antwort legte Rosa etwas in seine Hand, das er nicht gleich
unterschied, aber bei dem schwachen Schimmer, der von den Lampen durch das
Gebüsch drang, erkannte er, dass es ein verwelkter Veilchenstrauss war. Erstaunt
betrachtete er diesen einen Moment lang, ohne zu wissen, was das bedeute; dann
aber blitzte es in seinem Geist auf und betroffen sagte er: »Gott, wär's
möglich? Jene Beterin in der Morgenfrühe in San Giovanni e Paolo - Rosa, Sie?«
Er konnte nicht vollenden.
    »War ich,« sagte sie leise.
    »Und Sie erkannten mich?« fragte er angstvoll.
    »Sie und die - die Sie dort trafen,« fuhr sie leise fort; »ich weiß alles,
weiß, dass Sie am Rande eines Abgrundes stehen, dass Sie zum Verräter an Ihren
Idealen werden wollen, dass Sie, anstatt Ihrem Volke vorzuleuchten als ein
Beispiel hoher männlicher Tugend, ihm den Weg zeigen zum freien Spiel der
Willkür und der Leidenschaft, die, über alles Gesetz und jede Schranke
hinwegschreitend, nur tut, was ihr gefällt.«
    »Rosa,« fuhr er auf, »Mädchen, wie können Sie so sprechen? Was wissen Sie
von der Welt, was von der Macht der Gefühle, die ebenso heilig sind, ja
vielleicht heiliger als die geschriebenen Gesetze einer verderbten
Gesellschaft!«
    »So dachten Sie früher nicht,« fiel sie ihm ins Wort und obwohl sie leiser
sprach, wurde ihre Stimme immer fester; »hier ist nicht die Rede von eitler,
konventioneller Regel, nach der gewöhnliche Menschen handeln; hier ist die Rede
von einem Ideal, dem ein hoher, ein auserwählter Mensch nachstrebt, und das war
für Sie: makellos, vorwurfsfrei auf einen Thron zu steigen und der Menschheit
ein Vorbild reinster Größe zu sein, ein Held, nicht auf blutigen
Schlachtfeldern, sondern im Kampf mit den Dämonen, die in der eigenen Brust den
Halbgott zu zerstören trachten, der zu sein Sie berufen waren. Sie mussten
siegen! Sie retteten sich und auch - jene andere!«
    »Rosa, spricht nicht aus Ihnen Eifersucht?« sagte er gereizt.
    Rosa zuckte zusammen und schwieg eine Minute lang, dann aber sagte sie voll
Würde
