 Hirt und
eine einz'ge Herde!«
    Das war das Ende seines heutigen Gesichtes. Er wendete sich nach einiger
Zeit nach der andern Seite, und Tsi war überzeugt, dass er nun nicht wieder
sprechen werde.
    Mary, welche drin bei ihrem Vater gesessen hatte, kam jetzt heraus zu uns.
Auch sie war tief ergriffen. Wir sprachen noch lange über das, was wir gehört
hatten. Kein Wort aber fiel darüber, ob der Zustand, in welchem Waller diese
Visionen hatte, für ihn vielleicht gefährlich sei. Wir waren überzeugt, dass Tsi
in diesem Falle unbedingt Einhalt getan hätte. Einer andern Frage aber musste ich
Worte geben:
    »Glauben Sie, dass Mr. Waller weiß, was er spricht?«
    »Alles, Alles weiß er, jedes Wort,« antwortete der Arzt. »Haben Sie es ihm
nicht angehört, dass er während des Sprechens überlegt? Er bekommt das, was wir
von ihm hören, zunächst nicht etwa für uns, sondern für sich selbst. Er hört es,
wie wir hören, wenn gesprochen wird; er könnte es schweigend entgegennehmen;
aber er spricht es laut und deutlich aus, weil es ihm dadurch leichter wird, es
sich zu eigen zu machen. Er prägt es seinem Gedächtnisse ein, und wenn er es
auch nicht wörtlich behält, so nimmt er doch ganz gewiss wenigstens den Sinn aus
dem visionären Zustande mit herüber in das körperliche Leben. Hier bewegt und
entwickelt er es in sich weiter. Er kann sich dieser Einwirkung des Jenseits
nicht entziehen; sie ist für ihn massgebender und glaubwürdiger, als die
Meinungen aller irdischen Autoritäten, und so kommt es, dass seine Ansichten ganz
andere werden, als sie früher gewesen sind. Er wird das, was man nicht hier, in
dieser Welt der Irrsale, sondern dort in jenem Reiche klar gewordener Geister
einen Christen nennt.«
    »Geister? Vielleicht auch Seelen?« fragte Mary. »Glauben Sie, dass sie den
Menschen sagen können, was meinem Vater gesagt worden ist? Sie befinden sich
doch in der Ewigkeit; wir aber sind noch hier auf der Erde!«
    »Ewigkeit und Erde schließen einander doch nicht aus,« erklärte Tsi. »Die
Ewigkeit ist vor uns, hinter uns, neben und rund um uns. Wir befinden uns in
ihr. Unsere Erde ist eines der winzigen, ununterbrochen im Kreise rinnenden
Körnchen der nie sich erschöpfenden, nie sich leerenden Sanduhr der Ewigkeit. Es
ist einer der größten und unverzeihlichsten Gewohnheitsirrtümer, anzunehmen, dass
die Ewigkeit für uns erst nach unserm Tode beginne. Wir leben in ihr und gehören
zu ihr, wie die von Ihnen erwähnten Geister und Seelen zu ihr gehören. Wenn Ihr
Glaube diese Seelen
