, welcher sie
alle segnete. Der Künstler hatte es verstanden, der von mir erwähnten Erfahrung
so, wie die wahre Kunst es will, Gestalt zu geben. Eine solche segnende
Engelshand schien auch über uns zu walten. Wir sahen sie nicht, aber ein Jeder
wusste, dass der warme, weiche und Allen bemerkbare Hauch der Liebe und des
Friedens von der Stelle ausging, an welcher der im Rauch und Qualm und Russ des
brennenden Tempels verschwundene Geist durch einen neuen, friedlich denkenden
ersetzt werden sollte.
    Was habe ich da gesagt! Ein Geist sei zu ersetzen! In einem und demselben
Körper! Durch einen neuen, einen vollständig andern!
    Diese Gedanken beschäftigten nicht nur mich, sondern auch Rafflei und den
Uncle. Den Letzteren ganz besonders, weil es ihm als unmöglich erschien, sie zu
begreifen. Er kannte nur die veraltete Ansicht der Psychologen, dass jeder Mensch
einen ganz besonderen, nur ihm zugehörigen und also durchaus individuellen Geist
besitze, den er nicht eher als nur erst mit dem Tode »aufgeben« könne. Er wusste
zwar, dass es tausende und abertausende von Menschen gegeben hat, die anderen
Sinnes, also anderen Geistes geworden sind, war aber überzeugt, dass diese
Änderung mit dem alten, bisherigen Geiste vorgegangen sei, nicht aber darin
bestehe, dass sich ein vollständig anderer und neuer eingestellt habe. Er sagte
da:
    »Das wäre ja eine wunderbar praktische und höchst vortreffliche Einrichtung,
wenn sich jeder Mensch nach Belieben einen neuen Geist besorgen könnte, so
ungefähr zum Beispiele, wie man sich eine neue Uhr in die Tasche steckt, wenn
man sich auf die alte nicht mehr verlassen kann, weil sie nichts mehr taugt!«
    Da lächelte Tsi, der bei uns saß, den lieben Alten von der Seite an und
fragte:
    »Ist Ihnen vielleicht die chinesische Erzählung von der Taucherinsel Ti
bekannt, Mylord?«
    »Nein,« antwortete der Governor, welcher nicht wusste, dass Ti das chinesische
Wort für Erde ist. »Was ist das für eine Insel? Kenne sie nicht. Können ihre
Bewohner etwa ihre Geister wechseln und ersetzen wie wir unsere Uhren?«
    »Nein; ebenso wenig wie wir. Ob gewechselt werden soll, darüber haben
natürlich nicht die Körper, sondern die Geister zu bestimmen. Ich will mich ganz
und gar populär ausdrücken: Hat etwa die Uniform zu befehlen, wer sie anlegen
soll und wer nicht?«
    »Nein!«
    »Nun, diese Uniform ist der Menschenkörper! Wenn er glaubt, dem Geiste
Vorschriften machen zu dürfen, so irrt er sich. Die Insel Ti liegt mitten im
großen Weltenmeere. Sie wird von einem Fürsten regiert, welcher jedem seiner
Untertanen eine bestimmte Lebensaufgabe stellt, die er zu lösen
