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    »Well! Ihr habt in einem so bestimmten Tone Nein! gesagt, dass - - -«
    »Bitte,« unterbrach ich ihn; »diese Antwort galt nicht Eurem Fragegedanken,
sondern Eurer Ausdrucksweise. Ihr fragtet, ob dieser Sihdi jenes Gedicht gemacht
habe. Es gibt freilich tausende und abertausende von Gedichten, welche gemacht
worden sind; sie werden für Gedichte ausgegeben, sehen ihnen auch ähnlich, sind
aber keine Gedichte. Wahre, wirkliche Gedichte werden nicht gemacht, wenigstens
nicht hier bei uns; sie entstehen in jenen Sphären, aus denen die Inspiration
auf Engelsflügeln niederschwebt, um dem nach oben lauschenden Poeten die Stirn
zu küssen und ihm das Auge und das Ohr für eine Welt zu öffnen, die Anderen
verborgen bleibt. Der Dichter ist darum zugleich auch Seher. Das ist das
untrüglichste Erkennungszeichen. Wer nicht Seher ist, kann auch nicht Dichter
sein! Schaut in die Heilige Schrift! Wie oft beginnen die Reden der Propheten:
Und ich sah oder Und ich hörte eine Stimme. Sie waren Seher, und lest nun ihre
Worte, so werdet Ihr erkennen, dass sie als Seher Dichter waren. Das Eine ist
nicht von dem Andern zu trennen! Dem wahren Dichter kommt aus einer Welt, die
mit der unsrigen zusammenhängt, auf leisen Schwingen schöngebor'ne Kunde; er
nimmt sie auf; er gibt sie weiter fort, und wer sie hört, der wird von ihr
berührt, als sei sie ein Gedicht aus Engelsmunde. Das ist die Poesie, die aus
dem Himmel stammt; kein Geist, kein Mensch kann sie uns niederbringen; dort
oben, wo das Meer des Lichtes flammt, muss jeder Strahl in goldnen Reimen
schwingen. Und steigt er nieder, nimmt er Formen an, um sich dem Menschensinn zu
offenbaren, und diese Formen, sie bestehen dann für unsre Nachwelt noch nach
tausend Jahren!«
    Rafflei und der Governor standen da und sahen mich aus großen Augen an. Es
war wie eine Begeisterung über mich gekommen, und ich hatte gesprochen, ohne
vorher zu überlegen, oder gar die Worte metrisch abzuwägen.
    »Wisst Ihr nun, was ein Gedicht ist?« fragte ich. »Und wisst Ihr nun, wer
eigentlich das Recht besitzt, sich einen Dichter zu nennen?«
    Da antwortete der Neffe:
    »Ich habe es nicht mit der Heimat der inspirierenden Kräfte zu tun, sondern
mit der von ihnen auserwählten Persönlichkeit, und diese ist für mich der
Dichter. Sagt mir nun noch hundert- oder tausendmal Alles, was ihr wollt, aber
das Gedicht, von dem die Rede ist, wird doch mit keinem andern Namen, als nur
mit dem Eurigen gedruckt! Ich bitte, mir dann mitzuteilen, in welchem Werke; es
