 Bilde fallen, und das Geheimnis wird für Euch
zur Offenbarung werden, denn jede wahre Kunst ist göttlicher Natur.«
    »Das sagt Ihr so bestimmt?« schaltete er ein.
    »Ja,« antwortete ich. »Ich kenne unsern John. Die ganze Jacht ist, so zu
sagen, ein Buch mit sieben Siegeln. Und das Bild ist sicher nicht das geringste
dieser Siegel. Oder vergleiche ich die Jacht mit einem Gedichte, so erscheint
mir das Bild sogar als die schönste und tiefste seiner Strophen. Glaubt Ihr, dass
er, der Dichter, uns die Erklärung vorenthalten wird?«
    »Nein. Aber alles das, was Ihr mir da sagt, hat mich nicht klüger gemacht,
als ich vorher war. Ich fühle mich im Gegenteile nur noch verworrener. Bitte,
lasst mir Zeit; ich habe nachzudenken!«
    Er legte sich in die Lehne zurück und fiel in andauerndes Schweigen. Auch
als wir oben in Kota Radscha angekommen waren und am Kratong aus dem Wagen
stiegen, bezahlte er den Kutscher, ohne ein weiteres Wort zu sagen, und zog sich
sogleich in sein Zimmer zurück.
    Rafflei kam erst zur Zeit der Dämmerung von seinem Spazierritte heim und
teilte uns dann beim Abendessen mit, dass der Mijnheer zwar ein Holländer sei,
aber dennoch ein Gentleman durch und durch. Sogar wetten habe er wollen, sei
aber natürlich abgewiesen worden. Übrigens scheine sich da oben in den Bergen
etwas Kriegerisches vorzubereiten, um die Malaien endlich einmal gründlich zu
Raison zu bringen. Der Mijnheer habe ihm einige Züge von Grausamkeiten erzählt,
die man allerdings nicht in Schutz nehmen dürfe.
    Da fiel ihm der Governor sofort in die Rede, um die Malaien zu verteidigen.
Er tat dies in der ihm eigenen Weise, die ihn verführte, wiederholt über das
Ziel hinauszuschiessen, und kam dabei immer wieder auf seinen »Freund, den
Heidenpriester« zurück, wie er ihn nannte. John ließ ihn vollständig aussprechen
und antwortete aber dann:
    »Alles, was Ihr sagt, in Ehren, dear uncle; aber ich bitte, lasst Euch von
Eurem guten Willen nicht verführen, weiter zu gehen, als Ihr dürft. Ihr könnt
doch unmöglich behaupten wollen, dass diese Rasse auf gleicher Bildungsstufe mit
der unserigen stehe! Und Ideale sucht man doch nicht unten, sondern oben. Ihr
kennt meine Ansicht über die Menschenrechte zur Genüge; aber nicht das Gefühl
allein, sondern auch der Verstand hat zu Worte zu kommen. Sollen Kinder
mitbestimmen dürfen, auf welche Weise sie zu erziehen sind? Habt sie lieb; hebt
sie empor, und macht sie zu Männern! Sind sie das geworden, so mögen sie mit
raten und mit tun; eher aber nicht! Es ist stets gefährlich,
