, gestehen wir der großen Menschheit unsere
eigenen Fehler ein und erlangen durch ihre Verzeihung die innere und äußere
Kraft, sie in das Gegenteil, in Tugenden zu verwandeln. Sobald ein Mensch sich
überschätzt, sich für groß, für unereichbar hält, wird er nicht mehr steigen
können, sondern zu sinken beginnen. Die Würdigkeit wird sich in Unwürdigkeit,
der Wert in Unwert verwandeln. Das Eine ließ ihn steigen; das Andere lässt ihn
fallen. So auch beim Volk, bei jeder Allgemeinheit. Darum wollen und müssen wir
uns Alle ja hüten, uns zu preisen oder gar auf Andere herabzusehen. Ihr werdet
bei uns nicht weniger Böses finden, als wir bei Euch entdecken würden, wenn wir
kommen wollten, um nachzuforschen. Darum habe ich Euch zwar gedankt für Euer
liebes Wort, halte es aber für meine Priester- und meine Menschenpflicht, Euch
vor Enttäuschung zu warnen. Wir sind Sünder, wir Alle, Alle, ohne Ausnahme, und
keines Ruhmes wert. Das sagt ja wohl auch die Bibel, Eure heilige Schrift, Sir!«
    Es war im höchsten Grade interessant, das Gesicht zu sehen, welches der
Uncle jetzt machte. Er hatte den Mund halb offen, schaute den Malaien an, dann
John, dann mich, dann wieder den Malaien und rief dann aus:
    »Aber Mann, Mensch, Ketzer und gar Heide, was sind das für Gedanken! Wo habt
Ihr sie eigentlich her? So wie Ihr spricht man bei uns ja nur in den
gebildetsten Kreisen! Hierzu gehört der Besuch der höchsten, humanistischen
Anstalten, der Gymnasien und Universitäten! Wo habt Ihr das gelesen? Wo habt Ihr
das gehört? Und wo steht es bei Euch in Sumatra geschrieben?«
    Da war es der Priester, welcher nun Erstaunen zeigte.
    »Nur in den gebildetsten Kreisen? Nur in den höchsten Lehranstalten?« fragte
er. »Ja, was lehrt man denn bei Euch sonst außerdem? Nicht Humanität? Nicht
Menschenliebe und Menschenachtung? Womit belebt, womit beseelt Ihr alles Andere,
was Ihr zu lernen habt, wenn nicht mit diesen Beiden? Doch nicht etwa grad mit
dem Gegenteil! Womit füllt Ihr die Körper Eurer Wissenschaften aus, wenn nicht
mit jenem Geiste, der in den heiligen Büchern aller Völker lebt, auch in den
Euren? Bei uns wird schon dem Kinde dieser menschenfreundliche, erlösende Geist
gezeigt, der Jedem sagt, dass keiner über dem Andern stehe, sondern alle Welt
berufen sei zum Aller-, Allerhöchsten! Dieser Geist ist bei uns vollständig
frei; er kann wirken, wo er will. Wir legen ihm keine Fessel an, weder im Hause
noch in der Schule noch im Tempel. Darum fühlen wir uns allen Menschen
brüderlich verwandt und achten
