 zu opfern; sie legen mit ihren Kanonen unsere Türme,
Mauern und Häuser in Trümmer, um uns ihre bessere Bildung und Gesittung
beizubringen; sie verlangen von uns, an Stelle unserer bewährten Philosophie die
ihrige zu setzen, welche, ohne zum selbständigen Manne zu werden, noch
gegenwärtig an den vertrockneten Brüsten heidnischer Ammen saugt; sie muten uns
die sträfliche Befangenheit zu, ihrer Versicherung zu glauben, dass sie es mit
der Erfindung ihrer Interessensphären und offenen Tür nur auf unser Heil
abgesehen haben; sie tragen uns den Ungehorsam der Untertanen gegen ihre
Vorgesetzten und die auflehnende Verachtung altehrwürdiger, heilig gewordener
Gebräuche zu; sie nennen uns Heiden, ohne zu bedenken, dass unser Recht, auch sie
als solche zu bezeichnen, viel größer als das ihrige ist, denn ganz abgesehen
davon, dass sie nicht nach Christi Liebe und Lehre gegen uns handeln, haben sie
das unerforschliche, unbegreiflich allgütige Wesen, welches der Urgrund alles
Daseins ist, durch irdische Gestaltung und menschliche Ausstattung aus der
Unantastbarkeit seines Himmels gerissen und zum Götterbilde gemacht, während wir
es so verehren und für so rein und über uns erhaben denken, dass wir nicht einmal
unserer Sprache erlaubt haben, uns ein Wort zu geben, welches wir als seinen
Namen nennen! Aber gerade weil wir keinen Namen haben, ist dieses Wort als Geist
bei uns, und wenn die irdische Form, in welche wir diesen Geist nicht zu fassen
und zu zwingen wagen, einst auch für uns in Staub zerfällt, so haben wir einen
Schritt zu ihm empor getan und nehmen die Ehrfurcht und die Liebe derer mit,
welche uns nie vergessen dürfen, weil sie uns nachzufolgen haben. Und wenn die
Christen dieses zum Himmel hebende Verlangen, die Vorangestiegenen nicht aus den
Augen zu verlieren, weil uns mit ihnen auch der Weg zum Himmel verloren sein
würde, als sündhaften, götzendienerischen Ahnenkultus bezeichnen, so beweist
dies nur, dass sie in den Geist unserer Religion nicht eingedrungen sind und
nicht eindringen konnten, weil sie den Geist der ihrigen noch nicht begriffen
haben. Er kann sich nur der Liebe offenbaren, und diese, die besitzen sie noch
nicht!«
    Hier hielt er wieder inne. Erwartete er eine Antwort von mir, ein Eingehen
auf diesen für mich so heiklen Gesprächsgegenstand? Ich räusperte mich,
unschlüssig, ob ich sprechen solle oder nicht. Da sagte er schnell:
    »Bitte, schweigen Sie! Ich erwarte keine Antwort. Ich habe die Religion und
die Kultur der Christen studiert. Ich weiß also, dass Sie sich jetzt in der
höchst fatalen Lage befinden, als wahrer Christ die Scheinchristen verteidigen
zu sollen und doch nicht zu können, weil es gerade der Wahrheit unmöglich ist,
den Schein als Wahrheit hinzustellen. Werden wir uns klar! Die
