 ging flüchtiger und schneller, indem
er ein wenig zurückblieb, und sprach oft Sätze, mit denen er seinen Förster zum
Lächeln bringen wollte. Der Förster behielt wohl, was sein Herr sagte, aber er
bezog sich später nie wieder auf seine Worte, wenn sie nichts Dienstliches
betrafen; der Graf aber erinnerte den Förster oft an frühere Aussprüche. Doch je
liebenswürdiger der Graf war, desto bitterer wurden des Försters Gedanken, denn
er gedachte des alten Herrn, der ein rauer und fester Mann gewesen war, der von
jedem seine gebührende Ehrenbezeigung verlangte; der hatte ihm einmal ein
Trinkgeld gegeben, als er noch Jägerbursche war, und dazu gesagt: »Bleib ein
ordentlicher Kerl«; wie er tot war und aufgebahrt lag, war er in Uniform und
hatte den Helm auf dem Kopf; aber wie sie ihn einsargten, mussten sie ihm den
Helm unter den Arm geben, das hatte er so angeordnet vor seinem Ende. Dann musste
er auch immer den Bocksklee bedenken; das war ein Vorwerk gewesen mit schlechtem
Boden, das sein Urgroßvater aufgeforstet hatte, und von seiner Hand war noch der
Plan da, wie es mit dem Umtrieb gehalten werden sollte, des Windbruches wegen;
und wenn er sich die viele Mühe und Sorge, die durchwachten Nächte und
arbeitsreichen Tage vorstellte, die seine Vorfahren verbracht hatten, bis der
Wald so stolz und wertvoll war, so kam ihm der Groll bis an die Kehle und
hinderte ihn zu sprechen. Keinen Stand gibt es, der so mit der Arbeit der
Vergangenheit zusammenhängt und so mit der Hoffnung auf die Zukunft verwachsen
ist wie der Försterstand; denn was ein Förster erntet, das haben die Toten
gepflanzt, deren Gräber längst eingesunken sind auf dem Kirchhof; und was er
pflanzt, das wird man ernten, wenn die Söhne seiner Urenkel als Männer im grünen
Rock durch den Wald gehen. Deshalb ist etwas Adeliges in einem rechten Förster,
denn er weiß, dass der Mensch nicht ein haltloses Gesindlein ist, das morgen lebt
mit dem Taglohn von heute und sich dick tut mit seinem Elend und lumpigen
Verdienst, sondern der Mensch lebt durch die Liebe der Vorfahren in Pflicht für
die Nachkommen, nicht von seinem Verdienst, sondern nach seinem Gewissen.
    Ein Kind, das in solchen Lebensumständen aufwächst, bekommt etwas Besonderes
mit. Es lernt früh die Beziehung seines eignen Lebens als eines fast zufälligen
zu Vergangenheit und Zukunft seines Geschlechtes; aber doch nicht in der Form
des harten Erwerbsinns und des Stolzes auf den Besitz, wie im Bauernstand,
sondern in der Form des Gefühls für reine Ehre und strenge Pflicht; denn nicht
für sich und seine Kinder pflegt der Förster sein Gut, sondern für andere.
    Kein Mensch weiß, wie sich das Wesen eines Kindes bildet
