 hatte
von dem, was in ihnen vorging; deshalb hielten sie ihn für dumm, oder wie sie
sich das vorstellten, für »überstudiert«; und indem sie nun mit allem, was sie
unmittelbar anging, sich fern von ihm hielten, vermehrten sie noch seine
Täuschung über die Wirklichkeit, die ihn umgab.
    Aber auch in der Seele solcher Menschen, die ganz beschränkt auf Irdisches
und Bürgerliches sind, gibt es doch ein höheres Leben. Zwar gewinnt es scheinbar
keinen Einfluss, denn es wird rasch bedeckt durch das Überwuchern des
Wirtschaftlichen; aber vielleicht ist das ganz gut so, und wenn es anders wäre,
würden solche Manschen Schwätzer und scheinheilige Salbader. Deshalb hatte der
Pastor doch eine große und segensreiche Bedeutung für seine Gemeinde; sie wussten
alle, dass er nicht an sich dachte und das Evangelium vom Rock erfüllt hatte; ja,
es gab sogar eine Geschichte über ihn von einem Paar neuer Stiefel und einem
wandernden Handwerksgesellen; sie wussten, dass hier keine Lüge, keine Gier, kein
Betrug war, keine Habsucht und kein unlauteres Wesen, sondern ein reines und
frommes Herz und ein klarer und guter Sinn; und in dem bedrängten und beladenen
Leben, das sie führen mussten, bei harter Arbeit und schweren Sorgen um das
tägliche Brot und Kämpfen um die Ehrbarkeit des Wandels hatten sie an dem Pastor
ein Bild wie das eines glücklichen und frohen Engels, der auf Erden wohnt,
nichts weiß von Sünde und Schuld und Sorge und mit dem Finger zum Himmel weist,
als zu einem freien und leichten Leben, das als Ziel uns allen vorschweben
sollte. Und was bedeutet das für einen beladenen Menschen, der mühselig dahin
geht, den Blick auf die Erde gerichtet! Aber es ist gut für uns, dass solche
Menschen selten sind.
    In ihrer Art ebenso merkwürdig wie der Mann war die Frau Pfarrerin.
    Sie war frühzeitig Waise geworden und hatte von ihren Eltern ein ziemliches
Vermögen geerbt; ihres jetzigen Mannes Vater, der alte Pastor, der ein
entfernter Verwandter war, wurde ihr als Vormund bestellt und nahm sie zu sich
ins Haus, sie mit seinen Kindern zusammen zu erziehen.
    Schon als kleines Mädchen fasste sie eine Neigung zu dem ernsten Ältesten,
weil er ein liebes und gutes Wesen hatte und in vielen kleinen Dingen besorgt
werden musste wegen seiner Zerstreutheit. Das hatte ihm eine Schwester einmal
gesagt, da war er rot geworden und schämte sich, denn er dachte, sie wolle ihn
hänseln. So behielt sie ihre stille Neigung, wie er von Hause fortkam auf die
Schule und wie er erwachsener wurde und auf die Universität ging; aber weil sie
eine herbe und verschlossene Natur war und ohne Zutunlichkeit, so verspürte
niemand etwas von dem, was sie heimlich bei sich dachte
