 auch noch die letzten schwachen Bande fehlen, welche die
andern doch noch halten: sie sind Narren, Phantasten und Betrüger.
    Der Held muss durch die beiden Welten hindurchgehen, durch die zersetzte alte
Welt und die sozialdemokratische Welt, die keine neue ist, sondern entweder
Sehnsucht guter Menschen, die früher ehrliche Kleinbürger gewesen wären, oder
ein Schwindelgebilde bedenklichster Art. Er muss gehen - wohin?
    Die Zeit, in welcher der Roman spielt, war die Zeit der siebziger, achtziger
und neunziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts, sie war die Zeit, die ich
selber erlebte. Die Aufgabe meines Helden war meine eigene Aufgabe. Ich selber
habe ein Ziel gefunden; ich war schon auf dem Wege zu ihm, als ich den Roman
schrieb: indem ich mich zur Dichtung als zur Form zurückfand, bekam ich ein
Gesetz über mir, dem ich gehorchen konnte, in dessen Gehorsam ich nun leben
durfte. Aber mein Held sollte kein Dichter sein! er sollte ein Mann sein wie
alle andern Männer. Von allen Menschen ist dem Dichter die äußerste Freiheit
beschieden: er braucht niemand, und wenn ihn die Leute nicht beachten, für die
er dichtet, so kann er eben einsam leben; wohl jeder wirkliche Dichter hat in
der Tat einsam gelebt, außer in den ganz kurzen Zeiten, wo die Menschheit Kultur
hatte. Mein Held konnte nicht eine freie Einzelpersönlichkeit sein, die mit
niemand von der Umwelt zusammenhängt, er musste in irgendeine Lage kommen, in
welcher er eng verbunden blieb mit den andern Menschen. Das war die
Schwierigkeit: Die Gesellschaft ist zersetzt, sie duldet also keinen wahren
Menschen mehr; mein Held sollte aber ein wahrer Mensch sein und musste innerhalb
der Gesellschaft leben. Wohin konnte er gehen?
    Ich wählte den Beruf des Forstwirts. Die Forstwirtschaft braucht im
Verhältnis zum Kapital wenig Leute, ihre Erzeugnisse werden ohne Schwierigkeiten
verkauft, und man muss in ihr auf lange Jahrzehnte hinaus rechnen. Bedenkt man
noch, dass der Forstwirt von den andern Menschen entfernt wohnen muss, so wird man
zugeben, dass er sich mehr als die meisten andern Menschen vom heutigen Leben
fernhalten kann. Ich habe dann noch besonders betont, dass mein Held seinen Wald
nicht auf möglichst hohen Reinertrag anlegt, sondern sich durch die inneren
Lebensgesetze des Waldes bestimmen lässt.
    Der Forstwirt schafft für die Zukunft: was er heute pflanzt, das wird erst
nach drei Menschenaltern geerntet. So sollte denn mein Held durch seine
Tätigkeit wenigstens in die Zukunft weisen, in eine bessere Zukunft, und die
Zukunft sollte mit der Vergangenheit verbunden sein über die trübe Gegenwart
hinweg, denn der Held stammt ja aus einem Forstaus. Er ist der Sohn eines
Försters, des Mannes, der als Diener den Wald betreut; und er wird Besitzer
