 mit lachenden Augen. Sie war immer froh,
auch ohne einen bestimmten Grund, und hatte Beruhigung im Herzen und sichere
Gedanken. Und auch Hans war beständig froh und sicher, trotzdem er sich viele
Sorge machen musste um Geld und pünktliches Zusammentreffen von Einnahmen und
Ausgaben, was für einen Mann sehr schwer ist, der keine Begabung für
Geldgeschäfte hat; bei seinen großen Rechnungen half ihm auch Maria, denn er
verzählte und verrechnete sich häufig und geriet dann in große Ängste.
    Was aber ganz besonders merkwürdig schien, das war, dass er sich gar nicht
mehr Gedanken machte über abstrakte Dinge und Fragen, denn ihm war, als sei
alles Grübeln plötzlich abgeschnitten und habe gar keinen Liebreiz mehr, und
hätte er sich früher so gekannt, so hätte er sicher geurteilt, er sei beschränkt
geworden, und doch war es ihm jetzt, wenn er an sein früheres Wesen dachte, als
sei er damals töricht und kindisch gewesen. Und ebenso war es Maria, dass alle
ihre Mühe und Arbeit, die sie sich früher gemacht, ihr kindisch vorkam; und wenn
es auch gering war, zu bedenken, was ein Kind anziehen sollte und was ein andres
essen durfte, und ob an einem Bach Weiden gepflanzt werden sollten für die
späteren Korbflechtarbeiten, wenn die Äpfel aus einer neuen Anpflanzung erst
versendet wurden, so schien beiden das doch heute viel wichtiger wie solche
Fragen nach Freiheit und Verantwortlichkeit und ähnlichem, die sie früher
bedacht. Und als sie einmal an einem glücklichen Nachmittag am Sonntag zusammen
im Garten saßen und von weitem die jubelnden Kinder hörten und sich über die
Wandlung wunderten, kam ihnen eine Zusammenfassung oder Erklärung dieser
Erscheinung. Es geschah das aber, indem sie ein Schwalbenpärchen sahen, die Lehm
zusammentrugen zu einem Neste für sich und ihre Kinder.
    Da sagten sie: Wie die Vöglein, so leben auch die Menschen, wachsen, freien
sich, kriegen Kinder, ziehen sie groß, und dann sterben sie; und ihre Kinder tun
desgleichen; und so ist die Erde bevölkert mit lebenden Wesen, auf welche die
Sonne scheint. Und jedesmal, wenn Kinder heranwachsen, denken sie, das ist etwas
ungemein Merkwürdiges, dass wir auf der Welt sind, und es gibt nichts
Merkwürdigeres, und mit uns wird alles neu, und vor uns ist nichts gewesen, nach
uns aber wird alles das sein, was wir einmal Großes und Wichtiges schaffen
werden. In Wahrheit aber erschaffen sie genau so Großes und Wichtiges wie die
Menschen vor ihnen geschaffen haben, das sie gar nicht beachten. Und in solcher
Gesinnung kommen sie auch zu weiterer Überhebung, dass sie in sich hineinsehen
wollen und wollen wissen, wie in ihnen alles zusammenhängt, und woher es kommt,
dass ihnen die Welt so erscheint
