 ein, dass
die Gottlosen leichter leben wie die, so an Gott glauben, und ergab sich ihm,
dass wir höher kommen sollen dadurch, dass wir an Gott glauben, denn wenn uns das
Leben schwierig wird, so steigen wir indessen auf einen hohen Berg, wo die Luft
härter und reiner ist, und die Arbeit der Menschen ist tief unter uns, die sie
treiben, damit sie ihr fleischliches Leben erhalten.
    Die meisten der Pflegerinnen hatten keine Geschichte gehabt und waren nur so
gewöhnliche Menschen, die mit Widerwillen ihre Aufgabe erfüllen; aber noch eine
andre Schwester wurde für Hans merkwürdig, denn die bildete ein Gegenstück zu
jener ersten. Deren Erlebnis war folgendes gewesen:
    Sie war als Tochter eines höheren Beamten geboren, und ihre Eltern lebten in
beständigen Sorgen, weil ihre Mittel zu gering waren, um den Aufwand zu
befriedigen, den sie für nötig hielten. So wurde sie schon frühe gewöhnt,
überlegend und sparsam zu sein und nach außen doch eine gewisse Unbefangenheit
zu zeigen, und ihr Wunsch war von Jugend an, sie möchte einmal ein recht
tüchtiger Mensch werden, damit sie ihrem späteren Mann in ihrer Art behilflich
sein könne.
    Wie sie noch jung war, bewarb sich ein recht gut gestellter Mann um sie, ein
Rechtsanwalt, der sie an Jahren ziemlich übertraf, und auf das Zureden ihrer
Eltern heiratete sie den, wiewohl sie keine besondere und aussergewöhnliche
Zuneigung zu ihm verspürte; aber ihre Mutter hatte ihr in vertraulicher Weise
gesagt, dass wohl überhaupt nur wenigen Menschen das Glück einer wirklichen Liebe
werde, die man sich vorstelle in der Jugend. Sie gewann mit der Zeit den Mann
auch in ruhiger und einfacher Weise lieb, denn er war gut zu ihr und sehr
zuverlässig und tüchtig, dass jeder vor ihm Achtung haben musste. Kinder indessen
bekam sie nicht von ihm. Nun stellte es sich aber heraus, dass sie einen
verschiedenen Willen hatten über das, was die Frau tun soll, denn sie hatte
gemeint, dass sie eine rechte Tätigkeit haben werde in Leitung des Hausstandes,
guter Wirtschaft und umsichtiger Fürsorge; er aber, da er keine Kinder hatte und
viel verdiente, wollte gar nicht, dass seine Frau so viel Eifer auf diese Dinge
verwendete, denn er mochte lieber, dass sie sich schön putzte und darauf sann,
wie sie ihm allerhand Spiel und Gaukelwerk vormachte, wenn er von seiner Arbeit
kam. Und ferner hatte sie gemeint, dass die Frau mit dem Mann viel Ernstaftes
reden werde und von ihm manches lerne, er aber war nicht zu gründlichen
Gesprächen mit ihr aufgelegt, sondern wendete alles zu Scherz und Kurzweil, wenn
er mit ihr war. Hierüber wurde sie recht traurig und fühlte sich ohne Glück und
Befriedigung und empfand eine große Langeweile
