 großen wissenschaftlichen
Unternehmen mitbeschäftigt wurde, aber die Arbeit war ihm nur ein gemeiner
Broterwerb. Aber welche Tätigkeit er sich aussuchen sollte, das konnte Hans auch
nicht sagen, und so machte er sich jetzt oft Vorwürfe, dass er sich früher durch
zu vielerlei Interessen zersplittert habe.
    Derart sah er nun auch andre Dinge in einem grauen und unerfreulichen
Schein, die ihn früher glücklich gemacht hatten, die unreife Begeisterung der
Jugend war erloschen, und Erfahrung und Verständigkeit hatten noch nicht ein
neues Bild der Welt geschaffen; so wunderte es ihn, wie er in einer
Volksversammlung ein ganz neues Bild bekam, wo er eine Rede von Heller hörte, in
welcher der gehässig über die höheren Stände sprach und den Arbeitern
schmeichelte, und die Versammelten jubelten ihm Beifall; aber der Hochmut und
die kindische Art der Leute tat ihm weh, und weil er selbst ein Mensch mit
Ehrfurcht war, so kamen sie ihm vor wie freche Knechte. Da erschien ihm
plötzlich der Drang nach Gerechtigkeit und der Wunsch auf Gleichheit als ganz
unreif, und er kam sich vor wie das Kind, das den Ozean mit der Nussschale
ausschöpfen wollte, weil er einst geglaubt hatte, er könne durch ein Urteil über
Recht und Unrecht in diesen gesellschaftlichen Vorgängen eine Einsicht haben,
die doch durch den geheimen Lebenstrieb der gesamten Gesellschaft bestimmt
werden; und in Wahrheit hatte er vielleicht die Auflösung und den Tod der
Gesellschaft erstrebt durch seinen Drang und seinen Glauben. Ganz neu und
unbestimmt kam ihm nun zuerst der Gedanke, dass dieser Maurer oder Zimmermann
neben ihm nicht behaglich leben dürfe, wenn er selbst oder ein andrer sollte
höher kommen können, nicht zu Behagen, sondern zu höherer Wesenheit, und indem
fühlte er plötzlich, dass er diese Menge von dumpfen und selbstzufriedenen
Menschen hasste. Aber so einsam war er, dass er von dieser Unruhe und Verzweiflung
niemand mitteilen konnte, und er hätte auch ein weibliches Wesen haben müssen,
dem er seine Gedanken erzählte. So fühlte er sich nun näher hingezogen zu Luise;
die hatte ihr medizinisches Studium beendet und war nach Hause zurückgekehrt,
und ihre Absicht war gewesen, nun sich als Ärztin niederzulassen. Aber wie sie
das gewollte Ziel erreicht hatte, war plötzlich eine seltsame Müdigkeit und
gleichgültiger Sinn über sie gekommen, und sie lebte wochenlang und dann durch
Monate untätig, und wie es Menschen in dieser Verfassung geschieht, häuften sich
allerhand Schwierigkeiten um sie, als seien sie durch ihre Stimmung
herbeigezogen. Hans verspürte nichts von dieser Lage und freute sich nur, dass er
ihr manches mitteilen konnte; aber einmal, bei einem recht gleichgültigen
Gespräch sprach sie mit ihrer Stimme, die jetzt müde war, von Zwecklosigkeit. Da
tat er einen erschreckten Blick in die dunkle Tiefe ihres Überdrusses und ihrer
unerklärten Verzweiflung
