
Wohlan, wer Recht und Wahrheit achtet,
Zu unsrer Fahne steht zuhauf.
Wenn auch die Lüg' uns noch umnachtet,
Bald steigt der Morgen hell herauf!
Ein schwerer Kampf ist's, den wir wagen,
Zahllos ist unsrer Feinde Schar,
Doch ob wie Flammen die Gefahr
Mög' über uns zusammenschlagen,
Nicht zählen wir den Feind, nicht die Gefahren all!
Der kühnen Bahn nur folgen wir,
Die uns geführt Lassall'.
Den Feind, den wir am tiefsten hassen,
Der uns umlagert schwarz und dicht,
Das ist der Unverstand der Massen,
Den nur des Geistes Schwert durchbricht.
Ist erst dies Bollwerk überstiegen,
Wer will uns dann noch widerstehn?
Dann werden bald auf allen Höhn
Der wahren Freiheit Banner fliegen!
Das freie Wahlrecht ist das Zeichen,
In dem wir siegen; nun wohlan!
Nicht predigen wir Hass den Reichen,
Nur gleiches Recht für jedermann.
Die Lieb' soll uns zusammenkitten,
Wir strecken aus die Bruderhand,
Aus geist'ger Schmach das Vaterland,
Das Volk vom Elend zu erretten.
    Alle fielen ein, und die mächtigen und jubelnden Töne des Liedes erfüllten
den engen Raum und klangen hinaus über den viereckigen Hof mit den
gleichförmigen Lichterreihen der Fenster; und bald öffneten sich hier und da
Fenster, und neue Stimmen aus den andern Wohnungen fielen ein, und am Ende
sangen alle die armen Leute, die rings um diesen Hof in dürftigen und engen
Stuben wohnten, und ihr Lied stieg in die Höhe aus der Stätte ihrer täglichen
Hoffnungslosigkeit und Sorge zu dem klaren und sternenfunkelnden Himmel; und
unser lieber Vater im Himmel hat es gewiss gern gehört, wenn es auch nicht fromm
war und die großen Kinder nicht an ihn glauben wollten, und hat sich seines
lieben deutschen Volkes gefreut, dass auch solche Leute, denen so wenig Gutes
geschieht, doch so rechtlich und brav denken. Wie der Gesang beendet, waren alle
tief ergriffen; das waren einfache Arbeiter, die täglich in ihre Fabrik gehen
und Schuhe machen für den gemeinen Bedarf, die ganzen langen Stunden des Tages
hindurch; und Studenten, die eben den ersten Schritt hinaus taten in die
Freiheit des Geistes; die armen Leute, die an die knechtische Arbeit für die
Notdurft gefesselt sind, stehen gewiss auf der tiefsten Staffel der Leiter, und
diejenigen, die zu geistiger Freiheit zu dringen vermögen, auch wenn sie
äußerlich nur bescheidene Stellen erringen, stehen doch gewiss auf der höchsten
Staffel; aber wiewohl die größte Entfernung zwischen ihnen war, die unter
Menschen möglich ist, so fühlten sie sich doch als wahre Brüder, die sich lieb
hatten und sich nicht einer über den andern erhoben dachten; und wurde so wieder
einmal lebendige Tat, was unsre Vorfahren meinten, wenn sie sagten
