 andrer Mensch geworden.
Und wie ich dir schon sonst sagte, will ich das Kind für mich behalten und will
mich seiner auch allein freuen, du aber sollst keine Furcht haben durch uns
beide. Und denke auch nicht, dass ich ein trauriges Leben haben werde; denn ich
will suchen, dass ich einen guten und tüchtigen Mann bekomme, der für mich passt,
und will heiraten und ein rechtschaffenes Leben führen.«
    Nach diesen Worten geschah nur noch Unbedeutendes; und so trennten sich am
Ende die beiden, nachdem einer den andern sonderbar beeinflusst hatte und dessen
Leben in eine neue Bahn geleitet.
    Bei Karl kam es in den folgenden Wochen, dass eine dichterische Begabung, die
sich bis dahin nicht hatte zu äußern vermögen, einen ihr angemessenen Ausdruck
fand. Freilich war seine Dichtung nicht ein Kind der Kraft und Gesundheit und
ein freiwilliges Überfliessen, sondern wie bei so vielen Menschen unsrer heutigen
Zeit war sie ein Kind der Schwäche, die hier dem Seelenunkundigen durch
scheinbar scharfe Wiedergabe der Natur gerade als Stärke zu erscheinen
vermochte. Zu jener Zeit kam aus dem Auslande der Einfluss gleichgestimmter
Seelen, und weil der leere Nachton früherer Kunst, der bei uns damals
vornehmlich zu hören war, die Ohren und Geister nicht gegen die fremden Klänge
einzunehmen vermochte, so geschah es, dass gerade die Dürftigen und Schwächlichen
zu einer besonderen Entfaltung kamen und ein seltsames Gaukelspiel vortäuschen
konnten. Karls Geschick wollte, dass er mit in diese Bewegung geriet. Aber weil
er ein schwacher Mensch war, so hatte er nicht die Liebe zu den Dingen und
Menschen, die ein Dichter haben muss, der die Welt in sich aufnimmt in Heiterkeit
und Ruhe und sie vergoldet durch seine Freude, Hoffnung und Willen zum Guten und
dann wieder aus sich heraus stellt in einen Rahmen, damit die Menschen das Bild
anschauen mögen und glücklicher und besser werden, sondern er beobachtete das
einzelne und zerfaserte es und wollte aus den untersuchten Stücken des Leichnams
wieder lebendige Körper schaffen, und zerfaserte sich selbst in Hochmut und
Selbstverachtung und wollte neue seelische Wahrheiten bilden aus diesen Quellen
der Eitelkeit. Und dieses alles bedeutete für die Geschichte seines Wesens einen
weiteren Schritt in die Auflösung. Wie aber eine Frucht, die sich aus der Blüte
entwickelt hat zum Fruchtansatz und allmählich gereift ist zum rotbackigen Apfel
und dann vom Baum gepflückt wird und aufgehoben im dunkeln Raum, wie solcher
Frucht alles weitere Geschehen als eine weitere Entwicklung erscheinen muss,
nicht nur, dass sie noch reift auf dem Stroh und schmackhafter wird, sondern
auch, dass sie endlich vom Kernhause aus zu faulen beginnt und die Fäulnis sich
immer mehr ausdehnt, bis der ganze Apfel verfault ist und der Schimmel ihn
bedeckt, so muss auch solchem Menschen seine Auflösung als eine Weiterentwicklung
erscheinen, und
