 Über alle diese Umstände urteilte das Mädchen mit
wunderlicher Klarheit, und am Ende sprach sie, die armen Leute hätten sehr
unrecht, wenn sie immer mehr Freiheit haben wollten, denn sie seien wie die
Kinder, die von guten Menschen beaufsichtigt werden müssten, damit sie sich nicht
schädigten durch ihre eignen Torheiten, und dieses Urteil hätten unter ihnen
viele Frauen, aber die Männer verhöhnten sie deswegen und sagten, sie seien
nicht aufgeklärt.
    Wie das Gespräch diese Wendung genommen hatte, verschwand ihnen beiden die
peinliche Stimmung, und es entstand bald eine gewisse Behaglichkeit zwischen
ihnen, indem sie auf die Dinge des gewöhnlichen Lebens kamen und das Mädchen
eine ernsthafte Mütterlichkeit gegen Hansen entwickelte, gegen ihren Willen,
denn sie hatte sich die ganze Woche darauf gefreut gehabt, ein leichtes und
fröhliches Liebesband zu knüpfen mit einem Studenten, den sie sich als einen
besonders lustigen und ganz aussergewöhnlichen Menschen vorgestellt; aber nun
erzählte sie, wie sie und ihre Mitarbeiterinnen kochendes Wasser geliefert
bekamen für ihren Kaffee, und dass sie sich Geld gespart zu einem neuen Kleid,
und wenn er sich nicht schäme, mit ihr auszugehen, so wolle sie dieses Kleid
tragen, denn sie wisse bereits eine billige Gelegenheit für einen guten Stoff,
der ihr auch zu ihrem Gesicht und Figur stehe.
    Inzwischen tanzten die andern, und die dünne Musik tönte durch das Lärmen;
Zigarrenrauch ringelte sich in die Höhe zu der allgemeinen Wolke, und Kellner
drängten sich eilfertig und aufgeregt durch die Menge; wie Hans sie nach
schüchternem Bedenken zum Trinken aufforderte, nippte sie zart an ihrem Glase
und klagte dann, dass sie wenig vertragen könne.
    Die andre Freundin war ein übermütiges, gesundes und rotbackiges Wesen,
deren Augen in Fröhlichkeit blitzten, die hatte solche Lust zum Tanzen, dass sie
nicht still sitzen mochte, wenn die Musik ertönte, und Karl, der ein
geschmeidiger und leichter Tänzer war, führte sie immer mit heiterer
Aufforderung in den Reigen. Bald fanden sie heraus, wie sie Hansen und die
Freundin necken konnte, und Karl, der durch alles gleichfalls in frohe Laune
geraten war, stimmte mit ein; aber obschon beide eine gutherzige Gesinnung dabei
hatten, wussten sie doch nicht eine gewisse Taktlosigkeit zu vermeiden, die durch
das Dissonieren der Meinungen ja leicht in dem lebendigeren Teil erzeugt wird,
und so entstand ein nicht ganz behagliches Gefühl bei allen, durch das besonders
Hansen plötzlich die schlechte Luft, der Menschengeruch und der unfeine Lärm
hässlich auffielen, so dass er stiller wurde und in sich versank.
    Wenn Leute aus dem Volk recht gesund und in ihrer Art wohlgeordnet leben, so
haben sie einen zutraulichen Glauben an sich selbst und an alles, was sie tun,
der sie sehr glücklich macht. Von dieser Beschaffenheit war Karls Freundin.
