 eine einfache,
heitre Atmosphäre, in der ich mich wohlfühle. Ja, Lisa, es läuft der Hase
manchmal wunderlich - dass ich mich in einem Pfarrhaus zum erstenmal wohlfühlen
würde, hätte wohl zur Zeit unsrer Ansichten niemand gedacht. Mit letzteren lässt
man mich ganz in Ruhe, und ich mache stillschweigend Kirchgänge und Andachten
mit. Ebenso fragt man nicht danach, was ich in meiner freien Zeit anfange und
was für Briefe ich bekomme. Ihr könnt mir also ruhig hierherschreiben, und wie
lechze ich nach einem Wort von Euch. - Kinder, wie habe ich diesen Sommer oft
nach einem Briefkasten ausgespäht, - hier kann ich meine Briefe ungestört nach
der Stadt bringen.
    Alles in allem, Lisa, ich dehne mich in einem langentbehrten Gefühl von
Frieden nach - und vor dem Sturm. Denn der schläft ja nur. - Bis zum Frühjahr
bleibe ich hier, dann schreibe ich noch einmal heim, ob sie mich freiwillig
gehen lassen. Dann haben sie die Wahl, ob sie mich zum Äußersten zwingen wollen.
Es wird mir ja auch nicht leicht, mich für immer von ihnen loszureißen, und ich
weiß, dass ich ihnen den Rest ihres Lebens zerstöre. - Ich habe doch manchmal
Heimweh nach allen - seit ich von zu Hause fortreiste, habe ich keinen von ihnen
mehr gesehen, die andern Geschwister haben sich ja auch gegen mich gestellt -
nur Detlev nicht.
    Aber es ist besser, nicht daran zu denken. -
                                                                        24. März
Lisa, nun ist es entschieden. Papa hat auf meinen Brief hin eine Zusammenkunft
mit dem Pastor gehabt. Als der zurückkam, war seine gute Meinung über mich
bedenklich erschüttert. Mein Vater hat ihm alles erzählt, auch von der Reise mit
Allersen, und er war ganz entsetzt. Beinahe drei Stunden hat er auf mich
eingeredet, er von seinem Schreibtisch und ich daneben auf dem Stuhl, »wo schon
so manche arme gnadenbedürftige Seele gesessen hat«.
    Er sähe mich ins Verderben rennen, wenn ich von diesem Menschen nicht lassen
wollte, denn die Sünde ist der Leute Verderben und unser Verhältnis ein sündiges
und beflecktes. - Meine Eltern würden es nie zugeben, dass ich mich selbständig
machte - aber er, der Pastor, schlüge mir vor, in seinem Hause zu bleiben. Da
sollte ich meine volle Freiheit haben, malen, alles, was ich wollte, und
zugleich mich von ihm zu Gott führen lassen, bei dem allein die Wahrheit ist. Er
wüsste wohl, dass viel Gutes in mir steckte (das finden die Pastoren immer bei
mir). - Aber alles das nur unter einer Bedingung - von Allersen mich lossagen,
weil der mich rettungslos herabzieht. Wenn ich das nicht täte, könnte ich auch
hier nicht bleiben
