 der reißenden Fleischfresser, die Jeden, der
nicht ganz vollständig ihresgleichen ist, mit ihren Klauen packen? Die große
Schar der kreischenden Quadrumanen, von der zänkischen und rachsüchtigen
Meerkatze bis zum menschengefährlichen Gorilla hinauf? Warum hast du nicht von
ihnen gesprochen? Soll ich dir zutrauen, dass du beschönigen willst?«
    »Das liegt mir fern. Wir sprechen ja von deinem und von meinem
Gedankenparadiese. Das deinige ist traurig, das meine ideal. Die gegenwärtige
Wahrheit wird zwischen beiden liegen, muss aber nach ewig geltenden Gesetzen
nicht deiner Wüste, sondern meinem Eden immer näher kommen. Wir addieren leider
auf ganz verschiedene Weise. Dein Pessimismus zieht nach altem Brauche die
Summe, indem er abwärts rechnet. Mein Optimismus aber hat gefunden, dass es
besser sei, aufwärts zu gehen. Du bist, unten angekommen, mit deinem Leben
fertig. Du machst den großen Strich und schreibst als die so erreichte Summe
deine kahle Geisteswüste hin. Bei mir aber gibt es oben keinen Strich, denn
mein Paradies sendet mir ununterbrochen neue Summanden hinzu. Sie wachsen in die
Ewigkeit hinauf. Und wenn mein Körper dieser Rechnungsweise nicht mehr folgen
kann, so wird mein Geist dort einst gewiss die Summe finden.«
    Er trat an das offene Fenster und schaute hinaus.
    »- - - dort einst gewiss die Summe finden!« wiederholte er meine Worte.
    Es war für einige Zeit still zwischen uns. Ich störte ihn nicht. Dann drehte
er sich zu mir um und fragte:
    »Bist du mit deinen geistigen Naturreichen der Presse schon zu Ende,
Effendi?«
    »Nein,« sagte ich.
    »Du gingst auch hier von unten nach oben. Das scheint bei dir in allen
Dingen der Fall zu sein! Kommt jetzt nun noch der Mensch?«
    »Ja. Im Tiere hat sich die Befreiung vom geistigen Erdboden vollzogen, und
das Streben nach der Individualität tritt immer mehr hervor. Doch erreicht kann
diese letztere nur vom Menschen werden.«
    »Von allen?«
    »Nein. Sie sollte es, wird es aber leider nicht. Es gibt so viele, welche
entweder durch tausend Rücksichten aller Art noch mit dem Boden in Verbindung
bleiben, oder sich durch ganz dieselben und ähnliche Bedenken derart von andern
beeinflussen lassen, dass sie es nicht zur intellektuellen Selbstständigkeit, zur
geistigen Freiheit, zur vollen Selbstbestimmung und Selbstbewegung bringen.
Tritt in die Redaktionen, und frage, welche Rücksichten die dort bestimmenden
und doch so angefesselten Geister zu nehmen haben! Aber ich habe auch vollendete
Persönlichkeiten gefunden, zuweilen da, wo ich es gar nicht erwartete. Wie groß
war da meine Freude! Und wie gern und aufrichtig habe ich ihnen meine
Anerkennung gezollt! Ein solcher Geist weiß nichts von materiellen Banden.
