Da hat etwas ganz Anderes
zu sprechen, als das, was man das Herz zu nennen pflegt. Auch ist das Schicksal
dieses Mannes ja noch nicht fest bestimmt. Es steht in seiner Hand. Er kann sich
retten, wenn er Reue zeigt. Und grad das, was ich mit ihm vorhabe, ist geeignet,
ihn am schnellsten zu dieser Reue zu führen.«
    »Was wird das sein?«
    »Ich gebe ihm ein Gefängnis, wo er sich zu entscheiden hat: Wahnsinn oder
Reue. Weiter gibt es dort nichts.«
    »Wo?«
    »Unten im Bassin, im finsteren Bergesinnern, ein kalter, nasser Sitz auf
jenem Stein, auf dem wir das Skelett gefunden haben. In solcher Art Gesellschaft
wird man mürbe!«
    »Entsetzlich, entsetzlich! Effendi, bist du ein Mensch?«
    »Schakara, Schakara! Ich will ihn retten. Und wer den Ausweg aus der innern
Hölle nur durch die äussre Hölle finden kann, dem muss man diese öffnen. Mit
Baklawa53 das Raubtier zähmen wollen, ist Unsinn und bringt doppelte Gefahr. Wir
lassen ihn bis nachts im Turme liegen und schaffen ihn sodann an Ort und Stelle.
Ich wette, dass es gar nicht lange dauert, so tut er das, was ich ihm
voraussagte: Er bittet mich um die Genehmigung, mir seine ganze Schuld gestehen
zu dürfen. - - - Was sehe ich da unten im Duar? Ist etwa Pferdemarkt?«
    »Nicht Markt, doch aber Schau, und zwar für unser Rennen. Der
Chodj-y-Dschuna hat sie anbefohlen. Ein jeder Dschamiki, der sich beteiligen
will, muss sich mit seinem Pferde bei ihm melden. Hierauf wird dann die Rennbahn
abgesteckt, und Jeder kann sich üben nach Gefallen.«
    »So gehen wir hinab! Ich möchte sehen, was sich für Kräfte stellen.«
    »Wird dich das nicht zu sehr anstrengen?« fragte Schakara.
    »Keinesfalls. Ich fühle, dass ich neues Blut besitze, und neues Blut bringt
immer neue Kraft, im Körper wie im Geiste. Ich fand noch nie bei einem andern
Kranken, dass die Genesung sich so wunderbar beeilte, wie sie bei mir es tut. Was
ich noch vor drei Tagen für ganz unmöglich hielt, das kommt mir jetzt, wo ich
die Fläche überblicke, die vielen Pferde unten stehen sehe und rechts da drüben
meinen Assil schaue, in meiner Stimmung recht gut möglich vor - - - ihn gegen
unsre Feinde selbst zu reiten.«
    »Effendi, welch ein Gedanke!« rief Kara aus, indem seine Augen leuchteten.
»Wenn das mein Vater hört, lässt es ihn schnell genesen!«
    »Nur nicht sogleich entzückt! Ich bin
