 Die in Demut
zerfliessenden - Tyrannen! Die tugendreinen - Sünder! Die opferbereiten - Feinde!
Die aufrichtigen - Heuchler! Die arglos treuherzigen - Schlangen! Und noch
viele, viele tausend Aehnliche, die sich sofort als Schatten des nächsten
Gegenstandes in Sicherheit bringen, wenn du zur Fackel greifst, sie
anzuleuchten. Sie flüchten sich vollständig waffen-, wehr- und willenlos in
irgend eines Starken Schutz und Schirm. Er sinkt und sinkt und sinkt; sie aber
steigen. Und dann, wenn er am Abgrund steht, von aller Welt verlassen, nur nicht
von Dem, der liebevoll den Fuß erhebt, um dankbar ihn vollends hinabzutreten,
erkennt er endlich, aber viel zu spät, dass sie nichts weniger als arme Schatten
waren. Die Willenlosigkeit war höchste Energie, die Schwäche nur die Maske der
Gewalt, und jede Bitte, welche er gewährte, in Wahrheit ein Befehl, dem er
gehorchen musste. Das Allerschlimmste aber ist, o Schakara, dass diese Büberei nie
eignen Schatten wirft, weil sie ja stets im Schatten Andrer schwelgt. Darum
erscheinen diese Fleckenlosen der heilgen Einfalt drei- und zehnmal heilig, und
wenn sie noch dazu so glücklich sind, vor ihrem Tode nicht entlarvt zu werden,
so glaubt die liebe, liebe Unvernunft, dass sie an ihnen viel, sehr viel verloren
habe, der Himmel aber viel, sehr viel gewonnen! Wenn die Ruinen da erzählen
könnten! Ich sah im Traume, wie man sich verkroch! Da ging ich ruhig weiter.
Doch, sollte das Geträumte sich erfüllen, so wird statt nur gefackelt, dann
geleuchtet! Du weißt, wie gut wir hier versehen sind: an Fackeln fehlt es
nicht!«
    Hier wurde unser Gespräch unterbrochen. Drüben in den Ruinen, im oberen Teile
derselben, erschien nämlich Kara Ben Halef. Er sah uns sitzen und winkte uns zu,
dass er zu uns kommen werde. Er ging nicht grad auf dem Glockenpfade, sondern er
stieg über das Gestein gleich quer herab und kletterte an einer verwitterten
Mauerstelle zu uns herauf.
    »Effendi, ich habe einen Gefangenen!« sagte er.
    »Wie? Einen Gefangenen?« fragte ich. »Hat man hier im tiefsten Frieden
Gefangene zu machen?«
    »Ist das Friede, wenn Jemand sich nicht friedlich zu mir verhält?«
    »Wer ist es?«
    »Kein Dschamiki, sondern ein Fremder. Ich kenne ihn nicht, und er weigerte
sich, Auskunft zu geben.«
    »Wo?«
    »Da drüben, in einer der alten Kirchen. Ich ging heut schon sehr früh wieder
einmal durch die Ruinen. Man spricht im Duar davon, dass es dort wohl noch
versteckte Plätze und verborgene Dinge gebe, die man noch nicht entdeckt
