, sondern nur danach, sich über die Fläche auszubreiten?«
    »Maschallah!« rief er erstaunt aus. »So, also so betrachtest du das, was ich
erzählte?«
    »Natürlich! Wie anders denn?«
    »Ich habe von Menschen gesprochen!«
    »Gewiss! Aber besteht der Mensch nur aus seinem Körper? Sprechen wir einmal
nicht von der Seele, sondern sagen wir, dass der Mensch aus Leib und Geist
bestehe. Der Leib wird sterben, der Geist aber nicht. So lange wir sowohl auf
den Körper als auch auf den Geist Rücksicht nehmen, leben wir das wohlbekannte
Erdenleben, welches ich als das erste bezeichnen will. Wer aber so stark gewesen
ist, alle Rücksicht auf den Leib und seinen Zusammenhang mit dem
Menschheitskörper zu überwinden und hinter sich zu werfen und sich nur noch als
Geist zu betrachten, während der Leib für ihn gestorben ist, der lebt schon hier
vor der Auflösung dieses letzteren ein anderes, neues, höheres Leben, welches
ich einstweilen, aber auch nur einstweilen das zweite nennen will. Denn es gibt
Menschen, deren Geist sich nicht zur Individualität gestaltet. Wenn diese Stufe
für mich auch ein Leben ist, so muss ich sie das erste Leben nennen und die
vorhin erwähnten beiden Stufen als zweites und drittes Leben bezeichnen. Nun
sage mir, o Ustad, von welcher dieser Stufen aus, auf der du dich befindest,
hast du mir jetzt soeben den allerniedrigsten Himmel beschrieben, den ich mir
nur denken kann? Ich wollte, ich dürfte dir einmal einen andern Himmel,
vielleicht den meinigen, beschreiben!«
    »Hast du ihn gesehen?«
    »Ja. Ganz so, wie du den von dir beschriebenen! Vor meinem Himmel gibt es
kein Seil El Milal, keinen Baum El Dscharanil und keine Wandmalereien. Ihn hat
sich auch kein Pächter angemasst, und an der Straße, die zu ihm führt, stehen
keine Götzenhäuser. Auch gibt es keine Mauer und kein Tor. Es führen so viel
Wege hinein, wie es Menschen gibt. Er steht ihnen allen offen, wenn sie nur
kommen wollen. In diesem meinem Gedankenparadiese ist nichts versunken,
vernichtet und vergessen. Da ragen die Gottesideen vergangener Jahrtausende noch
so hoch wie damals im Morgenrot empor. Und in der Abendröte erglänzen die neuen,
hohen Ideale zukünftiger Jahrhunderte, um zu Wirklichkeiten zu werden, wenn die
Menschheit morgen oder übermorgen sagt: Was sprachst du von Ruinen und
Gräberfeldern? Dem Geiste sind sie unbekannt! Was er einst mit der Hand des
Körpers baute, war für den Körper, aber nicht für ihn. Es war ja nur das
Erdenabbild dessen, was er für sich im Geisterreich gebaut. Und dieser
hochgelegene Bau ist ewig. Sein Abbild mag
