, ihn bewegen zu können, den Beglücker deines edlen Frauenherzens in den
Räumen des Ustad wohnen zu lassen?«
    »Sogleich, sogleich wird er es mir erlauben!« jubelte sie so unvorsichtig
auf, dass er ihr in schnellem Zorne befahl:
    »Schweig, unvorsichtige Katze! Dein falsches Maul hat schon genug verraten;
mich aber soll es nicht - - -«
    Er hielt mitten im Satze inne und fuhr mit vollständig verändertem Ausdrucke
fort:
    »Mein Herz begreift die Größe deines Glückes, den Aschyk als geliebten Gast
hier bei dir zu haben, du treue, schöne Blume seines Lebens, aber ich bitte
dich, dieses Glück tief und schweigsam in dich zu verschließen, bis die ersehnte
Zeit gekommen ist, in welcher du es nicht mehr zu verheimlichen brauchst! Du
weißt ja, dass das Leben des Aschyk von deiner Verschwiegenheit abhängt, und das
deinige wahrscheinlich auch!«
    »Chodeh! Auch mein Leben? Mein eigenes?« fragte sie erschrocken.
    »Ja. Seine Feinde sind auch die deinigen, und wenn sie ihn töten, können sie
dich nicht leben lassen!«
    »Wer aber sind sie denn? Er hat sie mir noch nie genannt.«
    »Um den Blick deiner strahlenden Augen nicht zu trüben, der ihm über alles
Andere geht. Darum schweige auch ich. Dein Herz soll rein und unbefangen
bleiben. Den Ustad kenne ich, doch den Effendi nicht. Was ist er für ein Mann?
Welcher ist der klügere von beiden?«
    »Kein Mann ist klug. Man hat sie alle zu erziehen. Ich habe da eine ganze
Menge von Geheimnissen, die ich den meisten Menschen nicht sage, denn ich denke,
dass sie es verraten. Zu dir aber habe ich Vertrauen. Darum will ich dir eines
davon mitteilen: Der Ustad ist mir lieber als der Effendi.«
    »Aus welchem Grunde?«
    »Weil der Effendi mich fortjagen will.«
    »Warum?«
    »Wenn ich es Jemandem verrate, dass er mit meinem Aschyk sprechen wird.«
    »Oh Allah, welche Dummheit sondergleichen! Und so ein Weib will Männer
erziehen und - - -«
    Wieder brach er mitten im Satze ab, um sie nicht zu beleidigen. Dieser Mann
verstand es nicht, sein Temperament zu beherrschen. Oder nahm er sich nur
deshalb nicht besser in acht, weil er wusste, es mit einer »leeren Null« zu tun
zu haben? Wie freundlich und gelassen klang es dagegen, als er fortfuhr:
    »Fühlst du denn nicht, dass dieser Effendi dafür nicht zu tadeln, sondern zu
loben ist? Ich weiß, dass du einen scharfen Verstand besitzest. Du wirst also
einsehen, dass er nur in der besten Absicht Verschwiegenheit
