 selbst. Oder weißt du noch nicht, dass ihr
euch gelehrte oder auch sonstwie gebildete Männer von uns kommen lassen müsst,
wenn es einmal gilt, euch über euch selbst klug zu werden?«
    »Das kann ich freilich nicht bestreiten, Effendi. Ob dein Gast nur als
Geistlicher oder auch als Richter aufzutreten beabsichtigt, das ist mir
unbekannt. Er will dem Ustad einen Antrag stellen, welcher im höchsten Grade
verführerisch klingt. Aber wenn man mir so ganz ohne alle sichtbare Veranlassung
mit so großen Geschenken kommt, dann wird es mir heimlich angst, weil ich sofort
an eine noch viel größere Gegenforderung denke. Der Ustad soll nämlich auch zum
Ustad der Takikurden erhoben werden.«
    »So! Weiter nichts?« fragte ich lächelnd.
    »Weiter nichts!« antwortete er erstaunt. »Ich bitte dich, zu begreifen, was
das heißt! Welch eine Machtvergrösserung für uns!«
    »Machtverkleinerung, willst du sagen! Wenn du irgendwelche Sorge gehabt
hast, so wirf sie getrost von dir! Dieser Scheik ul Islam ist schon jetzt
durchschaut. Es fällt dem Ustad nicht mit einem einzigen Gedanken ein, die
Seelen seiner Dschamikun für eine hohle Ehre zu verkaufen! Ein einziger braver
Dschamiki ist ihm tausendmal lieber als alle Takikurden, deren sämtliche
Höflichkeiten doch nur den Zweck hätten, ihn betrunken zu machen, damit er sich
zu ihrem willenlosen und verächtlichen Werkzeuge erniedrige! Er wird sich nie in
fremde Dienste stellen. Er ist sein eigener Herr und wird es bleiben, ohne nach
den tauben Nüssen zu fragen, die man ihm mit so vielverheissender Höflichkeit
entgegenträgt.«
    Da richtete er sich halb auf und fragte in erwartungsvollem Tone:
    »Aber man wird sich rächen! Unnachsichtlich und auf jede mögliche Art und
Weise rächen! Hast du hieran gedacht?«
    »Natürlich! Die Rache ist dann unvermeidlich. Sie liegt im Wesen dieser Art
von Menschen. Doch möge sie nur kommen! Ich habe noch keine Rache gesehen, die
sich nicht schließlich selbst vernichtet hat!«
    »So bist du also entschlossen, dich von dem Scheik ul Islam nicht verlocken
zu lassen?«
    »Selbstverständlich! Fest entschlossen! Ich werde ihn genau so höflich
behandeln wie er mich. Und er mag greifen, zu welchem Mittel er will, so wird er
doch nur erreichen, was mir beliebt!«
    Jetzt sprang er vollends auf, richtete sich in die Höhe und rief mit dem
Ausdrucke der Erleichterung und der Überzeugung aus:
    »Da kann ich nun freilich ruhig sein! Effendi, Effendi, ich kam in großer
Sorge hierher; du aber hast mir das Herz wieder leicht gemacht! Ich kenne die
Macht, welche morgen an dich herantreten wird. Sie schmückt sich mit dem Namen
Gottes und des
