 für jedes Bauwerk andre Formen. So legte er sich also auf
den Stil und weiter noch auf alles, was sonst noch nötig war. Und als er dann
vor seiner Meisterprüfung stand, an was für Bauten hatte er, der Teufel, sich
geübt? Was glaubst du wohl, Effendi?«
    »Erlaube mir, zu hören, nicht zu raten!« antwortete ich.
    »An lauter frommen Werken, die nur zur Ehre dessen errichtet worden waren,
für den der Teufel nichts als Hass besitzt. Zwar hatte wohl auch die Frömmigkeit
gewollt, denn fromm erscheinen, fördert selbst den Teufel, doch wirklich fromm
zu sein, daran geht er zu Grunde. Drum war sein Hass jetzt gar zum Grimm, zur
stillen Wut geworden, weil alle diese Bauten der Wahrheit dienten, aber nicht
dem Scheine, und er beschloss, in seinem Meisterstück ein Werk zu schaffen, bei
welchem alles Schein, nichts aber Wahrheit sei. Er ging in jenes Felsenland
zurück, wo er die Lehre einst begonnen hatte, denn dort war Gott ein lieber
Himmelsgast und ließ sich oft bei seinen Menschen nieder. Er saß so gern bei
ihnen, licht und hehr im offenen Alabasterberg, sich seiner Sonne freuend. Da
kamen sie herbei, die er geschaffen, sie alle, groß und klein von seiner eignen
Hand den Segen zu empfangen. Sie liebten ihn; sie gönnten ihn auch andern; die
Eifersucht auf Gott und auf die Seligkeit war ihnen unbekannt. In diesen
Menschheitsfrieden trat der Andre, den es gelüstete, sein Meisterstück zu
machen. Er brachte seine Scharen, die ihm dienen, und ließ den Neid der Hölle
rings verbreiten. Als dann der Herr im Morgenrot erschien, um wieder einen
Erdentag zu weilen, da drangen alle, alle auf ihn ein, nur hier bei ihnen noch,
sonst nirgends zu erscheinen; die andern Menschen seien es nicht wert. Da neigte
er das Haupt und ging betrübt von dannen. Er sprach den Segen nicht, sprach
überhaupt kein Wort. Der Andre aber sprach: Wisst ihr noch nicht, dass Gott sich
zwingen lässt? Was ist die Bitte wert, wenn sie nicht zeigt, dass sie auch
wirklich will! Beweist ihm euren Ernst, so muss und wird er tun, was ihr begehrt.
Ich will euch euren wahren Gott verschaffen; die andre Welt mag andre Götter
haben! Nun sandte er den Neid in Scharen aus, herbeizuschleppen, was er
vorbereitet. Und als das nächste Morgenrot erschien, nahm er die göttliche
Gestalt des Höchsten an und kam, den frommen Schein ins Werk zu setzen. Er ließ
sich licht und hehr im Berge nieder und lächelte voll Huld den Menschen zu. Und
als sie ihre Bitte wiederholten und ernsten Nachdruck
