 Dein Ohr hört weder Lob noch Tadel mehr, und alles,
was sich gegen dich aufbäumt, muss ohnmächtig in sich selbst zusammenfallen.«
    »Ich begreife dich und begreife dich doch nicht,« gestand er ein. »Auch ich
habe entsagt, dann aber doch wenigstens meine Dschamikun gefunden. Die
Einsamkeit, von der du sprichst, ist mir beinahe undenklich.«
    
    »So schreibe, wie du ja wolltest, mit deiner Geisterhand; dann wirst du sie
sofort kennen lernen! Versuche es, deinen Lesern ins Körperliche zu übersetzen,
was Geist, was Seele ist, du wirst die Folgen so schnell an dir verspüren, dass
es dir grauen möchte! Zeige ihnen einmal ein volles Menschen-Ich, von dessen
Wesen sie trotz aller Psychologie noch keine Ahnung haben. Zerlege es vor ihren
Augen in deutliche Gestalten, von denen du glaubst, dass sie sofort verstanden
werden müssen - - was wird die Folge sein? Man sieht das nicht, was du
beschreibst, und denkt darum, du redest nur von körperlichen Dingen. Das presst
den Blinden jenes Lachen aus, worüber Sehende am liebsten weinen möchten. Man
nennt dich einen Lügner, einen Prahler. Man spricht von Eigenlob, von
widerlicher Selbstreklame. Und doch kann nirgendwo die Arroganz so ungeheuer
sein wie grad bei diesen Toren, die ihren blinden Willen dem Schöpfer und den
Menschen, sogar der sämtlichen Natur als oberstes Gesetz ins Antlitz schleudern.
Was tust du dann, wenn diese - - -«
    Ich konnte nicht weitersprechen, denn es fiel unter uns ein Schuss und wieder
einer. Gleich hierauf hörte ich Kara Ben Halef, welcher seine Lagerstätte
bekanntlich auf dem platten Dache über der Halle hatte, ausrufen:
    »Was war das? Warum hat man geschossen?«
    »Die Gefangenen brechen aus!« erwiderte eine weibliche Stimme.
    »Wallahi! Lass sie nicht in das Haus! Ich packe sie hier von oben!«
    Kaum gesagt, tat er es auch: Er schoss vom Dach herunter in den Hof.
    »Das war die Stimme meiner wachsamen Schakara!« rief der Ustad. »Eile du
hinab zu ihr, Effendi! Ich gebe meinen Dschamikun das Zeichen mit der Glocke;
dann folge ich dir nach. Nimm deine Waffen; sie sind aber nicht geladen!«
    Um die Lampe stehen lassen zu können, steckte ich eine Talgkerze an und ging
schnellen Schrittes hinunter in die »Rumpelkammer«. So lange die Menschheit
nicht Frieden hält, darf auch der Friedliche nicht auf die Wehr verzichten. Das
wurde uns beiden jetzt bewiesen. Ich nahm den Stutzen nebst Patronen und sprang
dann, mehr als ich stieg, die unteren Treppen hinab. Da stand Schakara vor der
Tür, welche in die Halle führte
