 sorgen, dass wir auch hierauf vorbereitet sind. Du siehst, ich
denke schon nicht mehr an meine frühere Welt, zu der ich schleunigst
wiederkehren wollte. Ich bleibe hier bei meinen Dschamikun, um zu beenden, was
ich einst begann. Ich baute nur für sie das Alabasterzelt und muss sie heben, bis
sie oben sind. Was ich von meiner Geisterhand gedichtet, das hat Gedicht zu
bleiben allezeit. Ich war ja doch kein Abgeschiedener und schaute über jene
Grenze nicht, die keiner überschreitet, der noch lebt.«
    »So hast du also doch noch nicht begriffen!« sagte ich.
    »Was?« fragte er.
    »Die Stelle meiner letzten Strophe: Begreifst du nun auch jetzt das große
Wunder, das doch so einfach ist, noch immer nicht - - -! Du hältst dich für
einen Dichter, denn du dichtest. Und doch weißt du nicht, was ein Gedicht ist
und wie es entsteht. Denk noch so tief und schön, und sage es in Reimen, das,
was du schreibst, ist dennoch kein Gedicht. Der wahre Dichter denkt und schreibt
zwar auch, doch was er schreibt ist Wirklichkeit und Leben, ist niemals nur
Erdachtes. Dem Einen fehlt das Selbsterleben des Andern. Der Eine hat Geist, der
Andere aber ist Geist. Und dieser Geist kennt jene Grenze nicht, von der du
sprachst. Ihm sind die Tore anderer Welten offen. Er geht da aus und ein. Ist er
zurückgekehrt, um zu berichten, so kann er das nur in der Sprache tun, die man
hier in der Körperwelt versteht. Und dieses Übersetzen ist nicht leicht; man
lernt es nur durch Mühe und Entsagung. Ich kenne keinen einzigen, der hierin
Meister wurde; sie alle blieben bei dem Lehrling stehen. Auch ist dies
Übersetzen undankbar; ich meine undankbar im engsten Erdensinne. Wer
Geistesleben übertragen will, der findet hier bei uns nicht eine einz'ge Form
und keinerlei Begriff für das, was er uns gibt. Er hat sich mit der irdischen
Gestalt und mit dem Menschenworte zu begnügen, die aber völlig unzureichend sind
für seinen Zweck. Er kann nicht deutlich sagen, was er zu sagen hat, und uns
nicht offen zeigen, was wir doch sehen sollen. Und wir, wir stehen dabei, mit
vollen Körpersinnen und doch fast blind und taub für seine ganze Mühe. Der
Ernste zwar, der logisch denkt und groß und rein empfindet, wird sehr bald
ahnen, dass es um Unbeschreibliches, um Heiliges sich handelt, und darum sich
befleissigen, sein Auge und sein Ohr dafür zu schärfen. An diesem Fleiße wächst
sodann sein eigener Geist empor und lernt den andern nach und nach begreifen.«
    »So ungefähr
