, sobald du kannst, dort mit den
Zeitungs-Makulaturen! Ich habe dich endlich, endlich nun begriffen:
Wenn mich die Menschheit aus den Toren stößt,
Um mich, den Menschen, an das Kreuz zu schlagen,
So wurde ich von meiner Schuld erlöst;
Sie aber hat die ihre noch zu tragen!«
    Nun richtete er seine Gestalt hoch auf. Auf seiner Stirn drohte plötzlich
der heiligste, unerbittlichste Ernst. Aus seinen Augen flammten Zornesstrahlen
und seine Stimme klang in ihrer tiefsten Tiefe, als er fortfuhr:
    »Hatte ich meinen Leidensweg zu gehen, oder hatte ich meine Feinde
aufzufordern, sich um ihre eigenen Balken, nicht aber um meine Splitter zu
bekümmern? Von welchem Monarchen oder von welchem Herrgott waren sie beauftragt,
über mich zu Gericht zu sitzen? Standen sie etwa als erhabene Geister in
unermesslicher Ferne über mir? Nein! Denn dann hätten sie gar nicht auf mich
geachtet! Sie waren Dochte, grad wie ich, weiter nichts; ja, sie hatten nicht
einmal eigenes Öl, sondern sie zehrten von dem meinigen! Und grad das ist es,
was sie kennzeichnet! Wenn sich niemand findet, von dessen Fehlern sie leben
können, wird es in ihren Laternen dunkle Nacht. Aber haben sie einmal Einen
gefunden, den lassen sie jahrelang nicht los, um ihn so vollständig zu
verschlingen, wie einst die sieben mageren die sieben fetten Kühe im Traume
Pharaos! Wenn dann der Geist im Lande teuer wird, so sind doch wenigstens sie
vom Hungertod gerettet - - - zum ewigen Heil der ganzen Nation! Musste ich mich
von ihnen auf die Hörner nehmen lassen? War ich gezwungen, mich meiner Fehler
wegen von den Sünden Anderer aus einer Welt treiben zu lassen, auf welche ich
wenigstens ein ebenso großes Anrecht besaß wie sie? Welches innere oder äußere
Gesetz kann mich wohl verurteilen, unter Millionen der Einzige zu sein, der
seine Fehler willig auf sich nimmt, während die Übrigen, bis an den Hals tief
in den ihrigen steckend, ihre schadenfrohe Augenweide an mir haben? Und nun sie
mich für gestorben und begraben halten, ist es da nicht eine beinahe unfassbare
Schande für mich, hier in meinem Grabe herumzuwimmern, anstatt mich kräftig zu
regen, um die Steine desselben auseinander zu sprengen?«
    Er ging einige Male im Zimmer hin und her, blieb dann vor mir stehen und
sprach weiter:
    »Man sagt, dass Gräber sehr oft die Geburtsstätten von Irrlichtern seien.
Also nicht einmal Docht, sondern nur Verwesungsgas! Es irrlichteriert auch auf
dem meinigen herum. Effendi, ich stehe auf; ich muss hinaus! Du hast mich
gefragt, ob ich wirklich entschlossen sei, wieder an das Licht des Tages zu
gehen. Ich gab dir mein
