 las:
»Ich kam zu dir mit meinem Sonnenschein;
Du aber wolltest mich und ihn nicht haben,
Du glaubtest ja, ein großer Geist zu sein,
Und warfst um dich mit dieses Geistes Gaben.
Du hieltest für die Ewigkeit geschrieben,
Was Menschenhand für Menschenaugen schreibt,
Und bist doch selbst ein Manuskript geblieben,
Das ungedruckt im Kasten liegen bleibt!
Ich kam zu dir mit meinem Sonnenlicht;
Du aber glaubtest, eigenes Licht zu strahlen.
Es glimmte wohl, doch leuchtete es nicht,
Und teuer war die Lampe zu bezahlen.
Du wolltest alle Welt im Nu entflammen
Für dich und deine Torenseligkeit;
Da aber fiel der Docht in sich zusammen,
Und nun umfängt dich selbst die Dunkelheit!
Nun komme ich mit all dem Sonnenglanz,
In dem vor ihrem Herrn die Geister beten.
Ich will zum allerletztenmal, doch ganz,
In meiner Klarheit Fülle, zu dir treten,
Begreifst du nun auch jetzt das große Wunder,
Das doch so einfach ist, noch immer nicht,
So gehst du wie der Docht im Lämpchen unter,
Denn deinem Geist fehlt jede Spur von Licht!«
    Er hatte die Vorlesung in jenem hohen Tone begonnen, den, wie er glaubte,
das Metrum mit sich brachte. Dieser Ton war laut und vorwurfsvoll. Aber schon
nach den ersten Zeilen begann er zu sinken. Die Sätze folgten sich langsamer,
weil der Gedanke sich sträubte, so schnell mitzukommen. Es traten sogar kurze
Pausen ein. Das Gesicht des Ustad wurde ernster und immer ernster. Als er zu
Ende war, las er das Gedicht noch einmal leise durch.
    Nun war ich hochgespannt auf das, was er jetzt tun werde. Er sah mich gar
nicht an. Er sagte nichts, kein Wort. Er drehte sich langsam um und ging wieder
nach dem Fenster. Ich blieb stehen, still, erwartungsvoll. Still war es auch in
meinem Innern. Kein Gedanke kam; kein Gefühl bewegte sich. Mein Herz klopfte.
Ich hörte es. Gab es jemand in mir, der stumm betete?
    Da verließ der Ustad das Fenster. Ist es möglich, dass sich ein Gesicht in so
kurzer Zeit so sehr verändern kann? Das seinige war wie verklärt. Seine Augen
strahlten. Er blieb vor mir stehen und riss das letzte Blatt langsam und
sorgfältig, um es nicht zu verletzen, aus dem Manuskripte. Dann warf er das
letztere weit hinter sich, so dass es an die Wand zu den alten Zeitungen zu
liegen kam, und rief im frohesten Tone aus:
    »Hier hast du es, Effendi, alles, alles! Den Leidensweg, die Biographie und
vor allen Dingen auch die Rechtfertigung, die ich keinem einzigen Menschen hier
auf Erden schuldig bin! Verbrenne es
