 Menschen vorgeschrieben
sind, denkendes Wesen sein, sondern ein Geist, für den diese Regeln nur in so
weit vorhanden sind, als sie mit seinen eigenen Wegen zusammenfallen. Du willst
eine jener über sich selbst bestimmenden Personen werden, welche, wie ich unten
ausführte, dem dritten Leben angehören. Das ist ein großer Entschluss, den du nur
dann auszuführen vermagst, wenn du den Körper, deinen bisherigen Gebieter, zum
gehorsamsten aller deiner Diener zu machen weißt, und wenn du deine bisherige
Sklavin, die krank in dir darniederliegende Seele, zu deiner Freundin, deiner
allereinzigen Freundin erhebst. Denn wisse: der Geist wird ohne Seele nie den
Weg empor zum Geiste aller Geister finden! Nun also: Sei fortan nur Geist, und -
- - such' dir deine Seele!«
    Wir standen einander gegenüber, ich ihm erwartungsvoll in das Gesicht
schauend, ob er mich begreifen werde, er aber sinnend nach seinen Büchern
hinüberblickend, als ob nur dort das zu finden sei, was ich jetzt bei ihm
suchte.
    »Meine Seele!« sagte er. »Ich habe dich gebeten, in meinen Werken
nachzuschauen, ob sie darin vorhanden sei. Seele ist darin; das weiß ich ganz
genau!«
    »Seele? Nur Seele? Das ist so viel wie nichts! Oder vielmehr, es ist so
wenig wie nur Geist! Du sollst nicht Geist und sollst nicht Seele haben! Sondern
du sollst Geist sein und sollst auch Seele sein! Die Person Geist sollst du
sein, und die Person Seele sollst du sein! Eine vollständige Persönlichkeit im
Reiche der Geister und eine vollständige Persönlichkeit im Reiche der Seelen,
beides zu Einem vereint in dir, wie Licht und Wärme in der brennenden Flamme,
das sollst du sein. Der Körper sei - - - der Docht!«
    »Der Docht!« wiederholte er nachdenklich. »Licht und Wärme, wie in der
Flamme! Das ist Seele und Geist! Der Körper des Menschen ist nichts, nichts,
nichts, als nur der Docht! Und das Öl, Effendi? Vielleicht erfahre ich auch
dieses noch! Was alles hast du mir doch schon gesagt! Es ist so viel dabei, was
ich noch nicht ganz oder noch nicht recht begreife. Vielleicht grad deshalb,
weil es gar so einfach klingt. Warum? Wer hat es dem Menschengeiste vorgelogen,
dass nur das seines Strebens und seines Fleißes wert sei, was ihm durch die
konvuse Ausdrucksweise des Pseudo-Gelehrtentums unverständlich gemacht worden
ist? Auch in mir lebt noch ein Rest jenes alten Stolzes, der sich einer eigenen
Kaste und auch einer eigenen Sprache rühmt. Aber gleich daneben habe ich das
heilige Buch der Bücher liegen, in dem der Geist durch Welten und durch
