 hatte sich geflüchtet, dem Hass und seiner Waffe zu entgehen. Wohin?
Man sagte: nach Egyptenland.«
    Nun berührte er das Manuskript mit feiner Hand, zog sie aber schnell wieder
zurück, als ob er etwas Hässliches oder gar Feindliches berührt habe, und sprach:
    »Hier liegt der Leib des Geistes, mit dem ich nach dem Geiste suchen ging.
Er starb und ward begraben. Er hörte auf, zu leben, als ich dieses
letztgeschriebene Wort vernahm, dass des Menschen Gedanken nicht die Gedanken
Gottes seien. Warum sollte ich mit den Gedanken meines Geistes noch fernerhin
nach jener Wahrheit suchen, die ich mit ihnen niemals finden kann, weil sie ganz
andere als die göttlichen sind!«
    Er schaute mich an, als ob er eine Zustimmung von mir erwarte. Ich aber
schüttelte leise den Kopf und sagte:
    »Du hättest mit diesem Worte nicht aufhören, sondern mit ihm beginnen
sollen. Es musste dir sagen, dass nicht mit der Schärfe des Geistes, sondern mit
dem vertrauenden Blicke des Glaubens zu suchen sei. Wärest du mit seinen offenen
Augen so, wie du sagtest, hier auf der Erde hin und her gegangen, so hättest du
gewiss nicht leere Krippen gefunden, aus denen der Herr vor Herodes geflohen ist,
sondern so manches freundliche Betanien und so manches liebe Emmahus, wo er vor
und nach der Kreuzigung bei den Seinen weilte, um mit ihnen das Brot zu brechen.
Meinst du, weil du den Geist des Herrn nicht fandest, können auch andere ihn
nicht gefunden haben?«
    »Ich fand ihn doch! Oeffne diese Leiche, und lies das erste Wort!«
    Als ich die vordere Seite des Manuskriptes aufschlug, sah ich die groß
geschriebene Überschrift: »Der Glaube ist es, der die Welt überwindet!«
    »Nun?« fragte er. »Habe ich nicht getan, was du sagtest? Bin ich nicht mit
dem Glauben suchen gegangen? War er nicht das Alpha dieses Buches? Warum bin ich
nicht auf diesem Wege, sondern auf einem anderen zum Omega gekommen?«
    »Dein Alphaweg war der Hosiannahweg. Du gingst vom Glauben aus, um den Herrn
zu finden. Doch da trat jener Geist zu dir, der den Messias einst versuchte.
Dieser siegte; du aber bist unterlegen. Es war nicht Gottes Geist, sondern dein
eigener, nach dessen Ruhm du fortan suchen gingst. Du fandest ihn, den
gleissnerischen, falschen. Man rief dir Hosiannah zu, obgleich es nur ein Esel
war, auf welchem du durch die schreiende Menge rittest. Er trat mit seinen Hufen
die Palmenzweige deines Ruhmes nieder. Sie waren es auch wert! Denn schon
begannen Stimmen hinter dir das Kreuzige zu rufen - - -
