 Schaden anderer, was sie sich einbilden, aus freier Wahl zu tun, was
ihnen als Versäumnis oder als Verdienst erscheint - in alledem sind sie
vielleicht nur blinde Werkzeuge eines blinden Verhängnisses. - Wer kann es
wissen?
    Draußen auf dem weiten Ozean zieht das Schiff dahin, das Ta und den
Provikar trägt, und zahllose andere Schiffe kreuzen die Meere, alle voller
Menschen, die auch zweckerfüllt und verantwortungsbelastet sind.
    Und vielleicht ist all das umsonst, vielleicht hat doch das Verschen recht,
das ich in einer Chronik unter dem Bilde eines alten Segelschiffes fand:
»Wirst du einst alt und weise,
So weißt du, dass die Reise
So zwecklos war wie die Well'n.«
 
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                                                            New York, März 1900.
Lieber Freund, es gibt doch komische kleine Züge in den Menschen! Wie ein
Kreuzfahrer ist Hofer aus seiner fernen Diözese ausgezogen. In elendem Boot auf
dem großen Kanal und in knarrendem Karren auf durchlöcherten Wegen ist er
zuerst nach Peking gefahren, um vor kommendem Unheil zu warnen; und als man dort
nicht auf ihn hört, zieht er weiter über Amerika nach Europa, um da seine Stimme
zu erheben. Selbstsüchtige Zwecke sprechen dabei nicht mit, auch nicht Angst um
eigene Sicherheit - er will von vielen Unschuldigen eine große Gefahr abwenden,
verhindern, dass die Stecklinge westlicher Zivilisation, die so mühsam im fernen
Osten gepflanzt wurden, in einer großen Katastrophe vernichtet werden, er will
die »Pekinger Taubblinden« um jeden Preis retten.
    Aber das Triviale wohnt nahe beim Sublimen, und die Beschäftigung mit der
Kirche schärft den Sinn fürs Praktische. Kleine Vorteile soll man auch auf dem
Wege zu den höchsten Aufgaben mitnehmen. Während seiner New Yorker Rasttage hat
Hofer den ihm gänzlich unbekannten Charles W. O'Doyle besucht und ihn auf Grund
des chinesischen Ursprungs seiner Millionen für die Missionshäuser angebettelt.
O'Doyle hat ihm eine bedeutende Summe gegeben, denn diesem großen Mann ist sein
Katholizismus ein Luxusgegenstand, den er sich etwas kosten lässt. Er und mehr
noch die Prinzess von Armenfelde schmücken sich mit dieser Religion, die ihnen
wie ein Symbol der Vornehmheit erscheint, und der sie unter ihren Landsleuten
viel Bekanntschaften in höheren sozialen Kreisen verdanken, die sie ohnedem
schwerlich je gemacht hätten. In den Vereinigten Staaten ist der Katholizismus
trés-bien porté, wie Madame Baltykoff neulich sagt.
    Das Komischste aber ist, dass Hofers Appell an O'Doyles Wohltätigkeit und
dessen Spürsinn für das Sensationelle in Geschäften mir eine große
Bilderbestellung eingetragen haben!
    O'Doyle und seine Tochter waren eben bei mir. Er teilte mir gleich Hofers
Besuch mit und ließ durchblicken, dass die Summe, die er ihm für die Mission
angewiesen habe, allein schon die Reise wert sei. Dann sagte
