 während
vielleicht viele Frauen und kleine Kinder auf entsetzliche Weise umgekommen
sind? Die waren doch so unschuldig wie ich an all der Verblendung, die allein
das Furchtbare möglich gemacht hat. Welch ein Gott, der solcher Auswahl fähig
wäre! Wir würden uns ja von jedem Menschen mit Abscheu wenden, der, in solch
göttlicher Allmachtsstellung, nicht jeden Unschuldigen retten wollte. Der Gott
so vieler Menschen erreicht in den Handlungen und Erwägungen, die sie ihm
andichten, aber nicht einmal ein bescheidenes, menschliches Mittelmass - es ist
eben nicht Gott, der die Menschen sich zum Bilde geschaffen, sondern die
Menschen haben sich einen Gott konstruiert, nach dem Entsetzlichsten, was sie in
der eigenen Natur fanden.
    Ein Gott! der Tausende für die Fehler einzelner leiden lässt! Was muss in
Peking während dieser letzten Wochen von Unschuldigen schon erduldet worden
sein, und was wird noch alles folgen? Von allen Ländern aus fahren jetzt Schiffe
nach dem fernen Osten; sie sind voller Menschen, die bis vor wenigen Tagen von
China vielleicht nur wussten, dass dort die Männer Zöpfe tragen und die Frauen
auf winzigen Füßen einhertrippeln. Diese Kosaken und Franzosen, Engländer und
Italiener, Söhne deutscher Gauen, Amerikaner, Japaner, sogar Inder - wozu ziehen
sie aus? An einem entlegenen Erdenwinkel werden sie unbekannte gelbe Männer
treffen, die ihrerseits von ihnen nie vorher gehört haben. Tausende von Meilen
trennten sie bisher von einander, und sie konnten weder Freund noch Feind sein,
denn sie wussten nicht einmal von der gegenseitigen Existenz. Trotzdem wird
jetzt einer den andern umbringen, und man wird das schön und patriotisch nennen.
    Wie sinnlos scheint es doch alles!
    Viele ziehen jetzt aus jung und gesund und werden nie wiederkehren, durch
Krankheiten mehr noch als durch Kugeln hingerafft. Andere werden wohl
zurückkommen, aber wie? Und alles, um die Fehler anderer zu sühnen!
    Und wenn man nun an die Chinesen denkt, an diese armen Unbekannten. Wie viel
noch namenloseres Elend wird dort entstehen? Aber auch da wird es nicht die
eigentlich Schuldigen treffen, sondern auch wieder die, so sich nicht wehren
können, jene Klasse Menschen, deren jahrtausendelanges Leiden in allen Ländern
und bei allen Völkern gleichsam eine unterste Erdschicht bildet, auf der sich
alles andere aufbaut, alles, worin wir es so herrlich weit gebracht.
    Die jetzt also ausfahren, schließen sich der größten aller Flotten an, die
in endlosen Schiffreihen hinaus segelt in verschleierte Fernen, zu unbekannten
Häfen; jener Flotte, die bestanden hat, so lange es Menschengeschichte gegeben,
deren Anfang in die nebligen Fernen urältester Vergangenheit reicht, die seit
den Tagen der Ägypter, Perser und Griechen von Jahr zu Jahr gewachsen ist, die
nimmer enden wird. Sie ist bemannt mit grauen Leidensgestalten
