 dreht wie ein homerischer Held,
oder als Fischer am Meer, Gast in der Fischerhütte des Einsamen, auf Seemärchen
horchend, und Märchen ersinnend beim Licht des Kienspans, indessen draußen die
Mondkugel über die brechenden Wellen rollt. Ein andermal liegt er mit lachenden
schwarzen Gesellen auf buntem Teppich im Garten unter dem Maulbeerbaum; Lieder
singen sie auf die Lilie, die Nachtigall, die Rose, sie springen auf, um zu
tanzen, den graziösen, plastisch schönen Einzeltanz, der eigentlich nur eine
wechselnde Folge anmutig herrlicher Stellungen ist; einer spielt auf dem Tarr11,
zuckend fährt das Knochenstäbchen, mit spitzigen Fingern gehalten, über die
Drahtsaiten - in sanften Tönen summt die Suflöte, und unermüdlich klopft mit
behenden Fingern der Tipelipitòspieler auf den mit Haut überspannten
zusammengebundenen Steintöpfen den Takt ...
    Und plötzlich verwandelt sich der furchtlose Jäger, und er ist ein scheuer,
grossäugiger, barfüssiger Knabe, der mit beiden Händen eine weiße Taube an sich
drückt, seine Taube, die er leidenschaftlich liebt, und die man ihm wegnehmen
wird, um sie dem Vater gebraten vorzusetzen! Der hungrige Student in Moskau, der
von Tee und Kartoffeln lebt und immer noch ein paar Kopeken besitzt für andere
und für einen Teaterplatz, wenn ein erster Schauspieler kommt, und der am
eifrigsten ist, ihm die Pferde auszuspannen in schäumendem Enthusiasmus; der
fröhliche Geiger, der plötzlich die Geige opfert, weil es ihm in den Sinn kommt,
dass es »Besseres« zu tun gibt, als zu »spielen«; - der brüderliche Mensch in
einer Welt brutalsten Faustkampfes; - der Starke mit dem Kinderlächeln, für den
es keine Beschwerden gibt, oder der sie nicht anerkennt, der Furchtlose, der
sich nicht scheut, zu helfen, gleichviel, ob es dabei beschmutzte Hände geben
kann - alles, alles ist er, und die Liebende lebt wie in einem Wunderlande.
    Ein Kind ist sie, wenn der Rausch über sie kommt, ein Kind, wundersüchtig,
wundergläubig. Wie weit ist sie von ihrem früheren Selbst! Hat sie nicht in
ihrer unseligen Ehe, von dem unglücklichen Manne gelernt, dass alle Menschen, und
sie selber auch, niedrig sind? viel zu verbergen haben? »Des Menschen Trachten
ist böse von Kind auf!« So war es, bis sie ihn kannte, ihn, der nun alle
Erfahrung, alle Weisheit zu Schanden macht.
    Denn nun bringt jeder neue Tag eine neue Entzückung, eine neue beseligende
Offenbarung! Auf der Stirn des Mannes, den sie liebt, leuchtet alles Gute,
leuchtet der Kuss der großen, tiefen, starken Güte!
    Und so frei und schlicht und selbstverständlich geht dieser Mensch, von
dessen Stirn das Gute leuchtet! so wie eine Feier der Schönheit ist sein Leben
