 Verständnis, und Josefine zog sich
zornig und verächtlich von ihnen zurück. Ihr tiefes inneres Feuer, ihre
Selbständigkeit war den Männern etwas Verwandtes, den Frauen etwas
Beängstigendes.
    Immer breiter ward die Kluft, die Josefine von ihren Geschlechtsgenossinnen
schied. Immer böswilliger steckten sie die Köpfe zusammen.
    »Sie lasst sich net emal scheiden? Jo, warum net? Do schteckt öppis
Verdeckt's! Sie schtudiert als Frau mit drei Kindern? No ischt sie nüd wert! so
öppis tut nümme guet! Den Mann hat sie bereits ruiniert, es nimmt uns nur auch
wunder, was das emal für Kinder gibt?«
    Und dann erzählten sie sich wieder und wieder, was Josefine als junges
Mädchen über die »Kinderfrage« gesagt.
    »Sich grämen, weil man keine Kinder hat! Wie sonderbar! Kann ich mich grämen
um etwas, das ich nicht kenne? Bin ich selbst denn nicht auch ein Kind? Und
sollte ich an die ganze Welt, die da vor mir ist, so groß und wundervoll, nicht
denken, sondern an mein zukünftiges Kind? Und das Kind dann, wenn es ein Mädchen
wäre, wieder an die ganze Welt nicht denken? Und so weiter und so weiter? in
alle Ewigkeit? Das ist doch dumm!«
    »Dumm, hat sie g'sait, präzis dumm! 's ischt öppis Gefährlichs in dem Maitli
g'si von Anfang. Sie hat so Meinunge g'habt! Ja, für was braucht so e jungs
Maitli Meinunge zu habe? I bin so alt worde, aber nie, meiner Lebtag, hätt i mir
so was traut.«
    Und wie die Josy so gar nicht hatte nachfühlen können, dass ein Mädchen sich
aus Sehnsucht nach Kindern mit irgend einem Mann, gleichviel mit welchem,
verheiratete! Nicht einmal glauben konnte sie's. Wie sie gelacht hatte!
    »Ein Mann? aber das ist doch kein - wie sagt man? doch kein Werkzeug - kein
Mittel nur? das ist doch scheusslich, so zu heiraten! Da bliebe ich doch ledig
und machte aus mir selbst etwas! Bin ich nicht selbst etwas? Irgend eine Blüte?
irgend eine grüne Spitze? Bin ich für mein Leben nichts und nur etwas für die
Zukunft? Ihr müsst wohl schrecklich klug sein, dass ihr so weit hinausdenkt. Ich
stolpere auf Schritt und Tritt, ich bin nämlich sehr dumm noch! Klein und
kindisch und möchte mich selbst entwickeln. Wenn ich selbst noch nichts bin,
wozu hat die Welt Kopien von mir nötig?«
    Sie hatte gesagt: »Kopien von mir«, aber jeder fühlte, dass es hieß: »Und
Kopien von dir und von dir und von euch allen!« Unangenehme
