 Schmerzen um den Tod winselt - sie
besänftigt es liebevoll, weist es zurecht, sagt ihm, dass es leben müsse, um ihr
Kind zu geben. Und das seltsame blinde Gesetz des Lebens um jeden Preis ergreift
sie beide, die Gebärende und die Ärztin. Wem gebe ich mein Kind? Dem Licht? dem
Tage? der Finsternis? grausamer Verfolgung? Die Arme fragt es nicht, sie duldet,
sie hält aus.
    Und in demselben blinden Lebensdrang, der die Mutter beherrscht, tut mit
Kraft und mit keinen Augenblick erschlaffender Umsicht die Helferin, was sie zu
machen hat. Den ganzen Abend bleibt sie, die ganze Nacht am Bette der Ringenden.
    In dieser Nacht, in der sie gewünscht hatte, sich das Leben zu nehmen, in
der sie sich das Leben genommen hätte, wäre sie ein freier Mensch gewesen, nicht
eine Mutter und Helferin - in dieser selben Nacht verhalf sie einem Wesen zum
Leben und erhielt das andere in seinen Nöten.
    Als sie fröstelnd und hungrig durch die tauige Morgendämmerung beim ersten
schüchternen Amselruf heimwärts ging, war das wundersame Erlebnis mit
Hovannessian schon Vergangenheit geworden. Das schwere blutige Leiden eines
Menschen lag dazwischen. Sie dachte an Bücher, die sie notwendig zu studieren
hätte, an vielerlei Gelerntes und wieder Vergessenes.
    »Hovannessian,« sagte sie halblaut vor sich hin, und ein Lächeln löste ihre
starren Züge, »mein lieber Freund, Sie denken viel zu hoch von mir!«
    Sie sah zur Seite; es war ihr tröstlich zu denken, er gehe dort neben ihr.
    »Viel zu hoch!« wiederholte sie sich, »wirklich, das Beste, was ich vermag,
ist, dass ich mich der Forderung des Augenblicks fügen kann.«
    Eine Ruhe, wie sie ihr lange fern geblieben, senkte sich mit der Ermüdung
der Muskeln auf ihre Sinne. Als habe sie ein Ziel, ein langersehntes, jetzt
unverhofft erreicht.
    »Er schätzt an mir, dass ich arbeiten kann!« sagte sie, befriedigt lächelnd,
»es ist das einzige, was er an mir schätzen kann, sonst bin ich ja nichts. Wir
wollen uns das erhalten, nicht wahr, mein Freund? Oh, ich habe so lange nicht
mit voller Kraft gearbeitet.«
    Ihre Blicke küssten den Morgenstern.
    In ihrem Herzen war ein Heiligtum.
»Wie eifrig du dich zu Grunde richtest!« schalt Helene Begas die Freundin.
»Diese ewige Exaltation. Auch wenn du nicht sprichst - immer siehst du aus, als
wolltest du aufschreien! Und arbeiten bis in die Nacht obendrein! Ich lese jetzt
Augustinus. Sehr lehrreich! Du hast wohl Heimsuchungen wie der?«
    Josefine zischte ihr etwas ins Gesicht. Sie war glühendrot geworden.
    Helene
