, sie malte das zackige Blattornament
scharf und treu auf den hellen Parkettboden. Aus dem nebligen Morgen wollte ein
voller Sommertag erstehen, nicht ganz klar, aber voll lockendem, mildem Glanz.
    »Was der Mensch sich selber zubereitet!« nickte Plattner aus seinen schweren
Gedanken heraus.
    Josefine nickte stumm.
    »Du auch, Kind, du auch.«
    »Ich? Was kann ich noch tun oder nicht tun? Mir hat ja das Schicksal alle
Wahl erspart,« höhnte sie bitter.
    »Wenn du dem - dem - Menschen absagst und lässt dich scheiden und ziehst zu
deinem Vater und - -«
    »Dann bist erst recht gemein!« rief Josy überlaut. »Wenigstens ich, Vater,
ich wär's. Übrigens - ich könnt nicht. Da ist kein Überlegen, kein Besinnen. Was
ich einmal lieb gehabt, das bleibt mein gegen die ganze Welt. Wir sind nun in
der Hölle, Vater - nun denn - in der Hölle.« Sie sprang auf. Ihre starren Augen
erschreckten ihn.
    Unwillkürlich hob er den Arm, um sie zu schützen. Aber er ließ ihn wieder
sinken.
    Ihr bewegliches Gesicht hatte sich verändert.
    »Man muss herauskommen, aber nicht so, wie du meinst, Vater. Man muss ihn mit
herausreissen, sonst ist's gemein. Wenn ich könnte - wenn ich beweisen könnte,
dass man ihn unschuldig verurteilt hat!«
    Glühend, leuchtend, von Schwärmerei verklärt, mit aufwärts gerichteter
Stirn, mitten in dem sonnendurchspielten Zimmer stehend, erschien die Frau
plötzlich wie eine andere. Es war einer jener Augenblicke, in denen das sonst
unkenntlich verhüllte oder umpanzerte Innerste des Menschen, sein eigenes,
individuelles Selbst, in eigenster Gestalt erscheint, überraschend, neu, eine
Offenbarung.
    Den Vater überrann ein leichter Schauer. Er schwieg betroffen. Die Tochter
gewann Gewalt über ihn, über seine Meinungen und Abneigungen, die er für
unerschütterlich gehalten. Mühsam ermannte er sich.
    »Unschuldig?« sagte er in weichem, traurigem Ton. »Josy, was träumst auch!
Er hat ja gestanden. Da fehlt kein Pünktchen am Schuldbeweis. Die Hoffnung musst
fahren lassen.«
    Josefine antwortete nicht gleich. Die Begeisterung auf ihrem Gesichte
erlosch, wie eine helle Lampe erlischt. Herausforderung bebte um ihre Lippen.
    »Und wer in der ganzen Welt ist unschuldig?« schrie sie. »Welcher Mensch und
welcher Mann? Wen dürfte man nicht einsperren, wenn man jedes Blatt seines
Lebens kennte?«
    »Halt du! Hast schon vorhin so etwas gesagt!« Plattner war aufgestanden,
Zornröte schoss ihm über die Wangen. »Ich verbitt mir, dass du so mit mir redest!«
    Die Hände auf dem Rücken,
