 doch ein stolzes, angenehmes Gefühl sein?«
    »Das Angenehmste beim Dichten liegt nicht in der Anerkennung, sondern in der
Arbeit. Das Schaffen ist eine Befreiung ... eine Besitzergreifung von erträumten
Schätzen. Alles, was einem das Leben und die Welt auch bringen mag an
Enttäuschung, an Schmerz, an Zorn - das braucht einen nicht im Innern zu
erdrücken und zu ersticken ... das packt man, gibt ihm eine Form und umkleidet
es mit seiner ganzen ausgedrückten Leidenschaft - da steht es denn da, zuckend,
lodernd, weinend - aber man ist es los. Und auch die Freuden, die Seligkeiten,
die stolzen Siege, die einem das Leben nicht bietet - auch die reißt man aus dem
Reich der Phantasie herunter und stellt sie vor sich hin, in den Prunk der
Sprache gekleidet - und sie gehören einem - man ist ja ihr Schöpfer.«
    »Wie begeistert Sie von der Dichtkunst sprechen!«
    »Ich nehme meinen Beruf ernst, Gräfin, ich gehe in ihm auf. Seit jeher, Sie
wissen es ja, habe ich darauf gerechnet, mit der Feder zu wirken. Die
Journalistik war das Feld, auf dem ich kämpfen wollte -«
    »Ja, ich erinnere mich - jene Zeitung, in der auch Rudolf eine Stütze seiner
parlamentarischen Aktion finden sollte -«
    »Die ist ins Wasser gefallen -«
    »Wie Rudolfs parlamentarische Laufbahn,« schaltete Sylvia ein.
    »Ich weiß ... für mich war's gut. Vielleicht auch für ihn? ... Ich wurde in
ein anderes Gebiet der schriftstellerischen Arbeit gedrängt und habe darin die
unerwartetsten Erfolge erzielt.«
    »Gesegnet sei also jenes gescheiterte Journal!«
    »Nicht dieses Scheitern allein hat mich von der Journalistik zur Dichtkunst
gebracht. Es war ein Erlebnis, das meine Seele aufgewühlt hatte - ein Sturm von
Gefühlen, den ich nicht in Leitartikeln und Feuilletons hätte austoben lassen
können.«
    »Sondern in Romanen und Dramen? Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich
Ihre Werke noch nicht kenne - haben Sie denn dazu Ihre eigenen Erlebnisse als
Stoff verwertet?«
    »Nein. Nur die tobenden Gedanken und Gefühle die durch meine Erlebnisse
erweckt wurden, habe ich in meine Versuche gelegt. Ich sage Versuche, wo Sie
Werke sagen, Gräfin - denn obwohl ich ja als Anfänger Glück gehabt, so weiß ich
doch am besten, dass mein bisher Geleistetes nur schwache Versuche sind ... Mein
Werk, mein Kunstwerk - das werde ich erst schreiben. Nennen Sie das nicht
unbescheiden, nicht Vermessenheit. Ich glaube, es kann gar keinen
rechtschaffenen Künstler geben, der nicht in sich ein ganzes Chaos von
brodelnden Stoffen und Kräften fühlte, das danach strebt,
