
Arbeitsvorsätze. Aber ich fange an zu fürchten, dass es damit auch nichts werden
wird ... Es fällt ja immer alles ins Wasser - wie zum Beispiel auch die
Bressersche Zeitung ... Das sollte mein Organ werden; darin hätte ich ausgeführt
und beleuchtet, was im Parlament nur angedeutet werden konnte. Wer weiß aber, ob
ich überhaupt ins Parlament komme? Ich werde hin- und hergezerrt, ich möge mich
dieser oder jener Partei anschließen, und wenn ich dann sage, was ich eigentlich
will - Dinge, die außerhalb der bestehenden Programme liegen, - so finde ich
kein Verständnis, so glauben die Leute - ich sehe es ihnen an - ich hätte einen
Sporn. Am allerwenigsten verstehen mich die Wähler. Du wirst sehen: ich werde
gar nicht gewählt. Mein Gegenkandidat, der tritt so schön vertrauenerregend in
die gewohnten Phrasengeleise; der verspricht so bieder, alle kleinen
Lokalinteressen zu vertreten, während ich von Allgemeinheitsinteressen fasele
... Gibt's denn eine Allgemeinheit in der Politik? Glauben denn die Leute nicht
immer, dass eine Partei die andere niederringen muss, dass es dem A nur gut gehen
kann, wenn der B überlistet und der C zermalmt wird? Du wirst sehen, mein
Gegenkandidat wird zehnmal mehr Stimmen erlangen als ich. Und das wird mich
nicht einmal kränken können, denn in jeder Ansammlung von Köpfen gibt es doch
zehnmal mehr dumme als kluge ... Hat man als Grundlage von Gesetzgebung und
Regierung etwas blöderes, geradezu schädlicheres finden können, als das
Entscheidungsrecht der Mehrheit?«
    »Das Instrument mag schlecht sein, Rudolf. Aber wenn kein anderes da ist,
worauf willst Du Deine Melodie spielen?«
    »Meine Melodie! Wenn nur die auch schon klar und voll und alles andere
übertönend mir in der Seele klingen wollte ...«
    »Das tut sie ja. Wenn ich an die begeisterten Worte denke, die Du bei
Fritzis Taufe sprachst ... das war echter Klang -«
    »O ja, einzelne große Glockentöne, die ich selber höre, wie sie mir aus
Herzensgrund und Seelentiefe schallen ... dann aber kommt wieder der Lärm der
Welt hinzu, der sie verschlingt - das Gegacker der Alltäglichkeit, das Gekläffe
der Gemeinheit ...«
    »In solchem Zorne liebe ich Dich ... solche Selbstanklage bürgt mir für Dein
echtes Wollen.«
    »Du bist zu nachsichtig mit mir, Mutter. Ich würde Deinen Tadel, Deine
Vorwürfe verdienen. Was hab' ich bis jetzt erreicht? Was habe ich nur versucht
in jener großen Sache, die Friedrich Tillings Vermächtnis war? Heute hat es mich
wie Reue erfasst ...«
    »Wir begegnen uns, mein Kind; auch ich habe die
