 und Träumen vorbei, Hugo musste sich für
den Rest der Fahrt in ein banales Gespräch einlassen.
    In Wien angelangt, begab er sich in ein Café, wo er frühstückte und die
Zeitungen las. Nicht nach den Nachrichten als solchen suchte er in den Blättern,
sondern er musterte die Anordnung, kritisierte den Stil und die Tendenz der
Kommentare, und verglich damit im Geist das Idealblatt, welches an diesem Tage
ins Leben treten sollte.
    Und wenn er durch die breite Fensterscheibe, neben der er saß, auf die
Straße blickte, wo so manche hübsche junge Frauengestalten vorübereilten -
Verkäuferinnen, die nach ihren Geschäften gingen - da betrachtete er auch diese
nicht wie sonst um ihrer selbst willen, sondern verglich sie mit dem idealen
Mädchen, das er zwar schon lange im Herzen trug, das ihm aber seit gestern zum
einzigen Weib auf Erden geworden war.
    Als er in das Sitzungslokal - im Bureau eines großen Bankhauses - kam, waren
schon einige der Herren anwesend. Nach weiteren zehn Minuten war man vollzählig:
der Besitzer des Bankgeschäftes und neben ihm drei andere Finanzgrössen; zwei
Advokaten, mehrere Reichsrats- Abgeordnete, darunter ein Minister a. D., ein
einstiger Zeitungsherausgeber und eine Anzahl junger Schriftsteller. In der
Reihe der letzteren galt Bresser als einer der Hauptträger des neuen
Unternehmens; ihm hatte man bei den Vorbesprechungen die meisten Anregungen zu
danken gehabt, und von ihm waren die Prospekte aufgesetzt worden, die man zur
Anwerbung von Mitgliedern für das Gründungskomitee versendet hatte.
    Von einigen der Grundsätze und Programmpunkte, die in jenem Prospekt
enthalten waren, war man im Verlaufe der Sitzungen schon abgekommen und manches
Neue hatte sich eingeschoben. Heute galt es, zu endgültigen Entschlüssen zu
gelangen und über die Finanzierung ins Reine zu kommen. Von verschiedenen Seiten
waren Beteiligungsbeträge gezeichnet worden, aber die anwesenden Kapitalisten
waren erst diejenigen, die den Ausschlag zu geben hatten, denn das von den
anderen Gezeichnete hätte nicht zum zehnten Teile genügt, das Unternehmen
lebenskräftig zu gestalten. Ein Jahr oder besser noch, zwei Jahre musste man
arbeiten können, ohne auf Gewinn zu rechnen, vielmehr musste man gefasst sein, im
Anfang größere Beträge zuzusetzen; das Blatt musste eine Zeitlang in Massen
gratis versendet und in allen Kafés aufgelegt werden, damit das Publikum sich an
dessen Physiognomie gewöhne. Eine Zeit der Aussaat hatte vorauszugehen - dann
erst konnte man auf eine Ernte zählen. Die größten Autornamen sollten für die
literarischen Beiträge gesichert werden, indem man höhere Honorare bewilligte
als jede andere Zeitung. Auch im politischen Teile sollten unterzeichnete
Artikel von hervorragenden Publizisten des In- und Auslandes erscheinen; der
Nachrichtendienst sollte durch Original-Depeschen und Original-Korrespondenzen
aus allen Hauptstädten versehen werden - und alles das erforderte große Summen.
Wenn man aber erst das
