 werden, die Idee muss eine Form
beseelen. Das Gedachte muss sich bejahen, durchsetzen, muss geschehen, muss - mit
einem Wort - getan werden; entschlossen, kräftig, wuchtig getan.«
    »Diese Worte passen auf Faustschläge, auf Gewaltakte überhaupt. Es wundert
mich, dass gerade Sie, der Friedensanwalt, so sprechen.«
    »Eben weil ich Anwalt einer Idee bin, lechze ich danach, dass sie sich in
Taten umsetze, in Institutionen verkörpere.«
    »Das geschieht von selber, wenn die Idee erst mächtig genug geworden. Eine
Institution ist nicht lebensfähig, wenn sie vorzeitig erzwungen wird ... Was
verstehen Sie übrigens unter Institutionen? Gesetze? Verfassungen? Politische
Formen? Anstalten und Körperschaften? Wie ist das alles so nebensächlich, so
unwichtig gegen das Reich des Geistes ... des täglich wachsenden, immer lichtere
Höhen erklimmenden Menschengeistes ...«
    »In wie wenig Köpfen!« ...
    »Die vielen folgen langsam nach.«
    »Die folgen nur dem sichtbar - also dem tatgewordenen Gedanken -«
    »Übrigens: - noch wertvoller als Handeln und als Denken ist das Gefühl.
Gefühl ist der Gipfelpunkt des Lebens ... Ist auch der Regulator, all der
sogenannten Institutionen: Das Gefühl, nicht das besonnene Urteil der Massen,
kann als Gradmesser der Kultur gelten. Nur im Bereiche des Gefühls entfalten
sich die reichsten Blüten der Seele: das Mitleid, die Begeisterung, die Andacht,
und die Krone alles Seins - die Liebe. Aus dem Gefühle strömt die Schöpferkraft
des Künstlers und flammt die Lust des Kunstgeniessens ... Auch des Naturgenusses;
nicht was wir an der Rose riechen ist, was uns entzückt, sondern was wir beim
Einatmen ihres Duftes mit allerlei verketteten Vorstellungen und Erinnerungen
fühlen; was wir an Akkorden und Tonfolgen hören, ist Lärm, erst was wir daraus
fühlen, ist Musik - -«
    »Was der für geschwollenes Zeug redet,« flüsterte Delnitzky seiner Braut zu.
»Pass nicht auf, reden wir lieber von -«
    Sylvia machte eine abwehrende Handbewegung, kehrte sich noch mehr von ihrem
Nachbar weg und blickte mit gespannter Miene auf den Sprecher. Dieser fuhr fort:
    »Durch das Gefühlte - Inspiration, Ahnung, Leidenschaft - wächst man über
sich selbst hinaus. Augenblicke, in denen der Mensch zum Gotte wird - es sind
nur Augenblicke, nicht Tage, nicht einmal Stunden - sind Augenblicke
überströmenden Gefühls ... ... Der Dichter, der Seher, der Liebende weiß, was
solche Augenblicke sind. ... Wer sie erlebt hat, ist geweiht - der gäbe die
Erinnerung daran nicht um schwere Schätze her ... Einer solchen Erinnerung -«
Hugo nahm sein Glas zur
